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Menschlichkeit

Schwächen sind okay – ein Plädoyer für mehr Menschlichkeit

Schwäche annehmen in einer leistungsorientierten Gesellschaft

Ist es möglich, dass eine Gesellschaft, die sich an Leistung und Ergebnissen orientiert, geschwächte Menschen vergisst? Wie geht es diesen Menschen und welchen Herausforderungen müssen sie sich stellen? Was können wir von ihnen lernen?

Diese Fragen beschäftigen mich schon seit Jahren. Warum ich nicht müde werde, dieses Thema immer wieder auf die Agenda zu setzen? Es stört mich, dass sich durch Krankheit oder Not geschwächte Menschen über ihre Situation hinaus mit sozialen und finanziellen Ängsten, mit Ablehnung und Einsamkeit auseinandersetzen müssen.

Schwäche ist ein TABU in unserer Gesellschaft!

Deshalb erhebe ich heute meine Stimme für diese Menschen. Für diejenigen, die durch eine Erkrankung, eine Gewalterfahrung, eine Traumatisierung, einen Unfall oder den Verlust eines geliebten Menschen in eine Situation geraten sind, in der sie nicht mehr wie gewohnt funktionieren können. Für diejenigen, die nicht in Nullkommanichts wieder auf dem Damm sind, sondern länger brauchen bis sie wieder bei Kräften sind. Und für diejenigen, die wenig Rückhalt und Einfühlung in ihrem Umfeld erfahren.

Im letzten Jahrzehnt hat sich schon viel getan. Inzwischen ist es okay auch mal auszufallen, Burnout und Depressionen sei Dank. Nur darf es eben nicht länger dauern. Da stößt unsere Leistungsgesellschaft an ihre Grenzen.

Die Reaktionen gehen von Rückzug über genervte Ratschläge bis hin zu verächtlichem “sich Abwenden”. Bereits nach wenigen Wochen Kummer lässt sich mancher dazu hinreißen, eine normale Trauerreaktion als Depression zu bezeichnen. Wer unter einer undefinierbaren Erschöpfung leidet, hat schon manche Verdachtsdiagnose mit heim genommen.

Nicht auszuschließen, dass er sogar gehört hat, er simuliere. Sterbende werden über das verträgliche Maß hinaus mit Morphium vollgepumpt – gängige Praxis bei Schmerzen. Für Unternehmen und Ämtern sind Menschen, die länger ausfallen, eine Belastung. Kaum einer will hören, was in diesen Menschen wirklich vorgeht. Ist es nicht beschämend für eine Gesellschaft, so mit ihren geschwächten Mitgliedern umzugehen?

Wollen wir das wirklich so?

Manchmal denke ich, dass es Erkrankungen wie Burnout und Depressionen nur gibt, damit wir als Gesellschaft lernen Schwäche zu integrieren und sie nicht mehr abzulehnen.

Als stark gilt noch immer, wer funktioniert und sich aktiv einbringt. Ein archaisches Gesellschaftsmodell…

Das Thema zwickt mich immer wieder, bei mir selbst und bei Menschen, die zu mir finden. Bei mir selbst war es eine ungeklärte Schwäche, die mich über viele Jahre nicht verlassen wollte. Eine lehrreiche Zeit. Wie andere Betroffene lernte ich, mich auch dann zu mögen, wenn ich mal nicht funktioniere. Ich lernte, mich wahrzunehmen und meine Verletzlichkeit als Stärke zu sehen. Vor allem aber lernte ich eines:

Echte Empathie – mit mir selbst und mit anderen

So erfuhr ich, was es bedeutet Raum zu bekommen und da zu sein zu dürfen mit dem, was ist. Ich lernte Fragen zu stellen und sah, was geschieht, wenn die „Schwäche“ auf der Bühne stehen darf bis sich die Stärke dahinter zeigt.

MenschlichkeitEmpathisches Zuhören bietet ein immenses Heilungspotenzial. Es bindet Menschen wieder an die Liebe, Menschlichkeit und Verbundenheit an. Wenn sie ihre Geschichte ganz erzählen dürfen, hören sie sich selbst besser zu. Sie erfahren, dass sie auch wertvoll sind, wenn sie mal nicht mehr funktionieren. Das gibt ihnen das Gefühl dazuzugehören, auch wenn sie nicht so schnell und kraftvoll sind wie andere.

Empathisches Zuhören leidet nicht mit

Es ergründet, welche Bedeutung eine Situation für diesen einen Menschen hat.

Es vergleicht nicht mit der eigenen Geschichte, gibt nichts vor und greift nicht ein. Empathisches Zuhören ist offen präsent mit dem, was wirklich im anderen vorgeht. Es ist interessiert und entscheidet sich bewusst, der Wahrheit des anderen zu lauschen.

Ein durch eine Krankheit oder andere Gründe geschwächter Mensch hat Träume und Visionen wie jeder andere. Durch seine Situation ist er gezwungen, diese Träume zu vertagen, wohl wissend dass das Leben endlich ist. Er ist gezwungen, seine Zeit anders zu verbringen, als er es geplant hat. Dabei muss er sich mit Unangenehmem beschäftigen und soll trotzdem zuversichtlich zu bleiben. Er sieht sich finanziellen, sozialen und persönlichen Einschränkungen gegenüber.

Das macht etwas mit Menschen. Keiner dieser Menschen hat sich ein solches Schicksal ausgesucht. Keiner von ihnen trägt Schuld daran. Für mich sind diese Menschen Helden.

Welche Gesellschaft wollen wir sein?

Der moderne Leistungsmensch tut sich schwer mit dem empathischen Zuhören. Ganz egal, ob es dabei um diesen Beitrag oder um den Bericht eines irgendwie geschwächten Menschen geht. Er bekommt – ob er das will oder nicht – gespiegelt, was er am meisten fürchtet:

Die Angst nicht mehr zu funktionieren.

Das könnte Ablehnung oder den Ausschluss aus der Gesellschaft bedeuten. Diese Angst ist naheliegend, wenn Leistung und Resultate die heilige Kuh sind, hinter der alle herlaufen. Wer dieser Angst ausweicht, versäumt die Chance auf eine wichtige Lektion.

Von Menschen, die gestrauchelt sind, lernen wir was Annahme bedeutet.

Sie zeigen uns, wie wir den Mut nicht verlieren.

Diese Menschen übernehmen eine wichtige Aufgabe in unserer Gesellschaft und als Anzeiger unserer Menschlichkeit. Sie sind Vorreiter für eine neue Qualität – für einen Teilbereich der Liebe. Sie haben erfahren was übrig bleibt, wenn Leistung nicht mehr Quelle des Selbstwertes ist. Sie haben ihren Widerstand gegen „Schwäche“ aufgegeben und sich mit ihr versöhnt. Sie wurden aus dem Hamsterrad herausgeschleudert, haben sich der Einsamkeit gestellt und ihren Schmerz berührt.

Für sie ist SEIN wichtiger geworden als leisten.

Sie haben mit sich und der Welt gerungen, sind gestrauchelt und wieder aufgestanden. Dabei ist es nicht das Resultat ihres Kampfes, dass sie zu Helden macht. Es ist ihr Mut, sich mit ihrer „Schwäche“ zu zeigen und trotz ihrer Erfahrungen wieder zu vertrauen. Sie lassen uns mit Würde in ihre Verletzlichkeit blicken.

Das ist wahre Stärke!

Ich wünsche mir eindringlich, dass alles, was wir heute noch als Schwäche bewerten, Zugang zu unseren Herzen findet. Der Weg dahin geht über unsere eigenen „Schwächen“. Sie zu integrieren, ermöglicht uns, sie auch in anderen Menschen auszuhalten.

Welche Gesellschaft könnten wir dann sein?

Deine Claudia Heipertz,

Wahrnehmungsguide

www.claudiaheipertz.de

 


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