Kategorien Anzeigen

Erfolg Body Arbeit Beziehungen Deine Welt Glück Seele Podcasts humantrust @Redaktion

Sexuelle Treue, sexuelle Eifersucht, Besitz und Verantwortung

Eifersucht kann destruktiv wirken, dabei ist sie ganz natürlich. Wo sie eigentlich herkommt, und was sie mit deinem Selbtwert zu tun hat. Hier geht es heute darum, wie wir Eifersucht auf einer tieferen Ebene verstehen und vielleicht dann loslassen können.

Als ich 2007 an der Universität begann, mich mit dem Thema Liebe, Sex und Leidenschaft zu beschäftigen, tat ich das in allen Seminaren, die mir im Studium über den Weg liefen. Damals beschäftigten mich vor allem zwei Fragen:

  • Kann ich mehr als einen Menschen lieben und begehren?
  • Was ist das Ding mit der Eifersucht?

Muss ich eifersüchtig sein?

Das Spannende an der forschungsorientierten Auseinandersetzung mit diesen Themen war, dass sie mir Einblicke in andere Sichtweisen bot. Denn ich war in der Annahme, dass man eifersüchtig sein „müsse“.

Das gehörte damals noch sehr zu meinem Weltbild. Vor allem war es wichtig, auf mögliche „Konkurrenz“ eifersüchtig zu reagieren. Das heißt, sie von meinem Partner fernhalten zu müssen, sie nicht zu mögen, ein schlechtes Gefühl zu haben, wenn sie in der Nähe oder in den Erzählungen auftauchte und was sonst noch so alles dazu gehörte.

Der Grund, wieso wir eifersüchtig sind, ist sehr individuell

EifersuchtEine Erkenntnis im Sommer 2007 machte mich stutzig. Denn über einige Studien hinweg – leider weiß ich nicht mehr, wie sie hießen und woher sie kamen – zeigte sich folgendes:

Eifersucht scheint etwas zutiefst Menschliches zu sein, doch der Grund, weshalb Menschen eifersüchtig sind, ist inhaltlich sehr verschieden.

Eifersucht hält die Gruppe zusammen

Andere Forschungen unterstützen das und begründen Eifersucht mit der These, dass es darum geht, die überlebenswichtige Gruppe zusammenzuhalten und alles, was dem entgegensteht, misstrauisch und verteidigend gegenüber zu stehen.

Soweit dazu. Damit war für mich der eigene Horizont bereits gesprengt. Seit diesem Zeitpunkt war Eifersucht nie wieder ein echtes Thema für mich. Denn auf seltsame Weise ergab das bohrende Gefühl und die ursprünglich geglaubten Auslöser, keinen Sinn mehr für mich.

Polyamorie ist voll cool, aber ich könnte nie so leben

Mittlerweile sind einige Jahre ins Land gezogen, und Eifersucht beschäftigt mit immer noch sehr viel. Denn sie scheint mir ein großer Faktor für Kompromisse und Entscheidungen zu sein, die wir für uns und unser Leben treffen.

Ein Beispiel dafür ist eine riesige Diskussion, die in gewissen Kreisen immer wieder geführt wird: Braucht es eine monogame Lebensweise? Damit verbunden immer wieder die Aussage, die ich beobachte, wenn monogam lebende Menschen auf polyamor lebende Menschen treffen: „Voll cool wie ihr lebt, aber ich könnte das nicht, also meinen Partner teilen.“

Poly oder mono – alle sind eifersüchtig

eifersucht-HeldKlar, es gibt viele Gründe, wieso jemand mono oder poly leben mag. Keines ist besser oder schlechter. Das, was sich leicht anfühlt, ist aktuell das passende. Das muss jeder für sich ganz individuell und situativ entscheiden. Für mich sind diese Debatten äußerst spannend, denn sie zeigen immer wieder, wie tief verwurzelt Eifersucht ist und wie destruktiv sie wirken kann.

„Aber ich bin gar nicht eifersüchtig“

„Aber ich bin gar nicht eifersüchtig“, hör ich jetzt schon die ersten rufen. „Puh“, denk ich da, „hoffentlich bist du es doch.“

Hä? Hab ich nicht eben etwas von destruktiv erzählt?

Ja. Hab ich. Doch ich möchte noch eine Ebene in diesen Text einbringen, um den Horizont noch ein wenig breiter zu machen.

Dieses Interview von Veit Lindau mit dem Körper- und Paartherapeuten Frank Fiess ist sicherlich auch spannend für dich:

Die Macht der Liebe – für gelingende Beziehungen

Eifersucht beginnt in der Biochemie des Gehirns

Eifersüchtig ist jeder, der eine nicht-pathologische Gehirnbiochemie hat. Denn Eifersucht ist auf dieser Ebene einfach nur eine Ausschüttung von Botenstoffen, die automatisch in Gang gesetzt wird, wenn die eigene „Herde“ gefährdet ist.

Das heißt jedoch nicht, dass wir damit automatisch Eifersuchtsgefühle erleben. Denn alles, was auf biochemischer Ebene abläuft, bildet auf die eine oder andere Weise eine Verhaltensebene und eine Kognitions- bzw. Emotionsebene. Doch diese Ebenen werden durch ganz viele andere Dinge mitbeeinflusst: Sozialisierung, Gelerntes, Situation, Kompensationsstrategien usw.

Das Eifersuchtsgefühl ist die Art, wie wir mit der Biochemie umgehen

eifersucht-GehirnEifersucht ist also auf der ursprünglichsten Ebene eine biochemische Reaktion im Gehirn. Darauf haben wir keinen Einfluss. Das scheint so zu sein. Doch alles weitere – wie wir die Situation einschätzen, auf was wir eifersüchtig REAGIEREN, wie wir in der Situation glauben, handeln zu müssen und wie wir glauben, uns fühlen zu müssen, ist gelernt, anerzogen und hängt mit unterschiedlichen innerpsychischen Prozessen zusammen.

Dass wir also eifersüchtig sind, ist uns in die Wiege gelegt, wie wir damit umgehen, dafür sind wir im hohen Maße selbst verantwortlich.

Und was ist mit dem Selbstwert?

Jetzt kann man mittlerweile in vielen Foren und auf vielen Blogs lesen, dass Eifersucht ein Selbstwertproblem ist. Dazu sage ich: Ja, mitunter ist das richtig. Denn ob wir eifersüchtig reagieren oder nicht, hängt auch mit der Einschätzung zusammen, ob wir Gefahr laufen, eine wichtige Bezugsperson zu verlieren.

Wenn wir denken, dass wir es nicht wert sind, einen so tollen Partner an unserer Seite zu haben, reagieren wir bei jedem potenziellen Konkurrenten eifersüchtig. Wir glauben ja nicht daran, dass unser Partner bei uns bleibt, weil WIR es wert sind. Wir glauben ja, dass der Partner ständig auf der Suche nach etwas „besserem“ ist. Daher ist jeder Kontakt zu einem vermeintlich besseren Partner eine Bedrohung.

Die Beziehungsform und Selbstverwirklichung

Der Selbstwert an sich ist jedoch nicht das einzige, das die Eifersucht befeuert. Auch unsere Einstellung dazu, was ein Partner zu sein hat, kann Ursache für Eifersucht sein. Aus historischer Sicht ist eine Ehe eine Versorgergemeinschaft, die unter anderem auch Zugehörigkeit und in strengst ausgelegter Form Besitz anzeigt. Über Besitz verfügen wir. Denn MEINE Schuhe ziehe ICH an. MEIN Partner gehört nur MIR.

Das birgt natürlich gewisse Sprengkraft. Denn unser Verständnis von Mensch-Sein hat sich in unserer Gesellschaft sehr verändert. Wir beanspruchen für uns, als Individuum gesehen zu werden, weshalb der eheliche oder monogame Besitzanspruch häufig sehr entgegen unserer Bedürfnisse der Selbstverwirklichung und Selbsterfahrung stehen.

Verantwortung und Loyalität anstelle von Besitz und Treue

eifersucht-TreueIch möchte mit diesem Text keine Lösung für ein individuelles Eifersuchtsproblem bieten. Denn dazu müsste ich in die Glaubensstrukturen des Einzelnen eintauchen.

Dennoch stelle ich die Frage, ob wir uns nicht damit beschäftigen sollten, alte Definitionen zu hinterfragen. Eifersucht macht viel kaputt und hindert viele Menschen daran, ein offenes, lebensbejahendes Leben zu führen.

Damit meine ich nicht, dass wir kopflos durch die Welt vögeln sollten, ohne Verbindungen zu pflegen. Das wäre meiner Ansicht nach die absolute Gegenreaktion.

Vielleicht wäre es geschickter,
eine Beziehung als soziale Verantwortung oder als ein soziales Commitment
zu sehen,  anstelle eines Besitzes?

Und vielleicht ist Loyalität die Eigenschaft, an der wir unser orientieren können, dem Selbst dienlicher als die rigide sexuelle Treue? Vielleicht ist eine gute Portion Selbstwert und Selbst-Bewusstheit das Mittel, das uns befähigt, in echtem Kontakt sein zu können?

Das sind keine Lösungen, nur Fragen, die zum Fühlen anregen sollen.

In diesem Sinne alles Liebe

Claudia

www.claudia-elizabeth-huber.de

Alle Artikel von Claudia Elizabeth Hubert gibt es hier.

Hier findest du spannende Menschen mit jeder Menge Lust an guten Beziehungen:

humantrust

 

Gefällt mir 92 Personen gefällt das

Wie hilfreich fandest du den Artikel?1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (5 Bewertungen: 5,00 von 5)

Diskussion

Trag dich in unseren Newsletter ein und hole dir dein Gratis-Geschenk für Compassioner-Leser:


Das große Coaching Paket von Veit Lindau.
Sichere dir diesen wertvollen Leitfaden für ein erfülltes, glückliches Leben.

 

Wir schenken dir:
o 4 Audiovorträge mit Veit Lindau
o 1 Geführte Meditation
o Den Lebenskompass

Trag dich dazu hier ein:

 



* Mit der Eintragung bestätige ich die Informationen zum Datenschutz insbesondere nach §13 DSGVO zur Kenntnis genommen zu haben.

 

 

 

fan