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Shelley Sacks

Shelley Sacks im Porträt: Wie auch Kunst zur Weltrettung beiträgt

Ein Porträt über die Künstlerin und Gründerin des Instituts für Soziale Skulptur, Shelley Sacks.

„Das Schicksal des Menschen ist der Mensch.“
(Bertold Brecht)

„Die Bäume machen ihre Sache gut. Sie sind so, wie sie „gedacht“ sind.
Jetzt müssen auch wir Menschen unseren Job machen.
Wir sind alle Agenten des Wandels.“
(Shelley Sacks)

Kunst kann der Zündstoff für gesellschaftliche Veränderungen sein. Einer der Künstler, die Kunst in dieser Form verstanden und praktiziert haben, war sicherlich Joseph Beuys. (Es lohnt sich sehr, sich einmal einige Interviews mit ihm anzusehen oder auch Texte von und über ihn zu lesen.) Beuys führte den erweiterten Kunstbegriff ein, nach dem jeder Mensch ein Künstler sei und damit zur gesellschaftlichen Transformation beitragen könne. In dieser Form entstehende Kunstwerke nannte Beuys „Soziale Plastik“. Eine, die von Beuys Arbeiten gelernt hat, um sie dann auf ihre Art zu interpretieren und weiterzuführen, ist die südafrikanische Künstlerin Shelley Sacks.

Kunst in der Gesellschaft

(Wie) kann Kunst
… gesellschaftliche Veränderung bewirken?
… wirklich erreichen, dass wir achtsamer gegenüber uns selbst und gegenüber der Umwelt werden und entsprechend handeln?
Kann Kunst das? Und wie funktioniert es, das zu schaffen?

Diese großen Fragen bewegten Shelley Sacks, seitdem sie bereits mit 16 Jahren begonnen hatte Kunst zu studieren. Nicht ohne Grund, denn das Land, in dem sie aufwuchs, weckte dazu noch konkretere Fragen: „Warum esse ich mit meiner weißen Familie von Porzellantellern, während meine schwarze Familie, die tagsüber für mich da ist, solange wartet, bis wir fertig sind, und isst erst dann von Blechtellern unsere Reste?“ Parallel zu ihrem Kunststudium begann Shelley zu meditieren; sie begann sich politisch zu engagieren, für die Gleichberechtigung der schwarzen Bevölkerung. Es fühlte sich so an, als bräuchte es all diese Felder: Kunst, Meditation und politisches Engagement, doch als blieben diese zugleich voneinander getrennt.

Bereits mit 20 Jahren war sie resigniert. Kunst schien keine Formen zu bieten, etwas politisch Relevantes zu bewirken. Sie malte noch ein letztes dunkles Bild und wollte eigentlich aufhören. Dann bot einer ihrer Lehrer Shelley an, einige ihrer Werke zur Basel Art Fair mitzunehmen, er wolle sie einem deutschen Künstler vorstellen. Der Künstler war Joseph Beuys.

Berühmter Förderer

Der war begeistert von Shelleys Arbeiten, richtete ein Schreiben an sie und bat sie, seine Schülerin zu werden. Shelley zögerte und war voller Widerstände. Doch schließlich zog das Konzept der Sozialen Skulptur Shelley Sacks in ihren Bann. Als Mitarbeiterin von Joseph Beuys wirkte Shelley Sacks so auch an seinem documenta-Kunstprojekt „Die Honigpumpe am Arbeitsplatz“ mit.

Die Honigpumpe war eine hervorragende Form der Interdisziplinarität und dass alles mit allem zusammenhängt, dass es daher wichtig ist, dass wir die Formen verändern, um so unsere Gesellschaft zu transformieren. Doch was diese wunderbare Inszenierung überhaupt nicht beeinflusst hat, was sich überwiegend nicht verändert hat, war die Form der Debatten innerhalb der Free International University, die Beuys in diesem Rahmen veranstaltete. Die Gesprächskultur blieb intellektuell und an der Oberfläche“, erinnert sich Shelley Sacks.

Welche Module und Instrumente der Sozialen Plastik müssten also entwickelt werden,
um für alle Menschen spürbar zu machen, dass sie wirklich Künstler sind,
dass sie mit ihren Gedanken und ihrem Handeln, ihren eigenen Ausdrucksformen
einen Beitrag zur Gestaltung unserer Gesellschaft leisten?

Der bewegter Werdegang von Shelley Sacks

Diese weitere große Frage bewegte Shelley über viele Jahre hin. Sie nahm sie mit nach Großbritannien, wo sie seit 1997 eine Professur für interdisziplinäre Kunst und Social Sculpture an der Oxford Brookes University innehat. Sie forschte weiter, gründete 1998 das weltweit erste Forschungszentrum zur Sozialen Plastik. Über die Jahre reiften neue Erkenntnisse in ihr. Shelleys meditative Praxis leistete dabei Geburtshilfe: Kontemplation heißt, innere Bilder entstehen zu lassen, heißt, mit der Kraft der Gedanken und Gefühle diese Bilder zu verändern, heißt zu innerem Frieden zu gelangen, um ihn im Außen zu verkörpern. Das ist: Menschenkunst!Diese inneren Bilder sind ein Anfang, sie machen jeden Menschen zu einem Künstler, einem Agenten des Wandels, den er oder sie sich wünscht in dieser Welt“, erläutert Shelley Sacks.

So schuf Shelley im vergangenen Jahrzehnt eine Verbindung ihrer meditative Praxis mit ihrem Engagement als politische Aktivistin und ihrer künstlerischen, forschenden und lehrenden Tätigkeit. Sie entwickelte Formate, in denen Menschen ihre Kraft, innere Bilder zu erzeugen, erfahren können, um sie in Form von Zusammenkünften mit anderen Menschen zu teilen, um daraus gemeinsam eine kollektive Zukunftsagenda erarbeiten. Eines dieser Formate ist das Erdforum, das Shelley Sacks gemeinsam mit anderen für den UN-Klimagipfel 2011 in Südafrika konzipierte.

Das Dach für alle Formate, die Shelley gemeinsam mit ihren Kolleg*innen erfand, nannten sie die „Universität der Bäume“ (University of the Trees), denn: Bäume sind unsere Lehrmeister. Sie machen ihre Sache sehr gut. Sie werden so, wie sie gemeint sind. Einfach so. Bei uns Menschen ist es etwas komplizierter: Wir sind mit großer Freiheit und einer Schöpferkraft ausgestattet. Die Bäume erinnern uns an unsere Verantwortung und die wundervollen Möglichkeiten, die wir haben. Dazu können wir uns bei ihnen versammeln und neue Antworten für unsere Menschheit finden“, beschreibt Shelley die Grundgedanken dazu.

Wo geht es hin?

Die „Universität der Bäume“ kreist daher um die basalen Fragen der Menschheit – zum Beispiel, was Wissen überhaupt ist, ob wir Profit brauchen, mit welchen Werten wir unterwegs sind und wie wir unsere Welt gestalten können, um in Balance mit unserer Umwelt zu leben. Mehrere hundert Erdforen und ähnliche Formate haben seit 2011 bereits stattgefunden. Nach einer Phase der Neukonzeption ist die University of the Trees, die nun den Untertitel “Labor für neues Wissen und eine ökosoziale Zukunft” trägt, nun wieder dabei, sichtbarer zu werden.

„Gerade haben wir ein Sozialunternehmen gegründet. Außerdem arbeiten wir immer enger mit den neuen sozialen Bewegungen zusammen“, erläutert Shelley Sacks die Pläne. Und was macht ihr nach jahrzehntelanger beharrlicher Arbeit an der gesellschaftlichen Transformation noch immer Hoffnung? „Es ist keine bloße Hoffnung, es ist ein Vertrauen. Ich habe schon mehrfach bei Veranstaltungen erfahren, dass Veränderungsvermögen und die Willenskraft dafür den Raum füllen. Ich kann die Menschheit als eine werdende Menschheit spüren. Daran erinnere ich mich immer wieder, wenn ich verzweifelt bin. Außerdem sprechen die Bäume zu mir. Ich kann sie wirklich rufen hören, wie große Wesen. Sie sind meine Ankerpunkte, sie rufen, dass wir doch jetzt nicht aufgeben dürfen an diesem Wendepunkt.“

Mehr zur University of the Trees findest du hier (die Website wird derzeit gerade überarbeitet):

http://www.universityofthetrees.org

 

Fotorechte: cc to University of the Trees: Lab / Shelley Sacks


Über die Autorin:

Stephanie Ristig-Bresser engagiert sich seit drei Jahren für die Gemeinwohl-Ökonomie und als Redakteurin für den deutschsprachigen Raum innerhalb der Bewegung sowie Mitglied des Vorstands des Wiener Gründungsvereins zur Förderung der Gemeinwohl-Ökonomie.

www.stephanie-ristig.de

 


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