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Somatisierung – wenn unbewusste Gefühle und Stress krank machen

Somatisierung nennt man in der Psychosomatik einen Vorgang, bei dem Gefühle, die nicht gefühlt werden können oder dürfen, nach einer gewissen Zeit als Symptom wieder zurückkehren. Durch das Grundprinzip, dass im Körper und in der Seele nichts verloren geht, kommen folglich belastende Gefühle, mit denen wir nicht umgehen können, irgendwann beispielsweise als Schmerzen oder andere Symptome zurück.

Somatisierung haben wir alle schon erlebt

Somatisierung geschieht zum Beispiel im Kleinen beim „Nasevoll-Syndrom“, wenn wir uns über eine Kollegin geärgert haben, aber in dem Moment keine Lust auf einen Konflikt hatten. Und genauso auch im Großen, wenn wir nach einer langen Phase von Be- oder Überlastung krank werden.

Dabei geschieht die Unterdrückung der Gefühle ganz automatisch. Geraten wir unter Druck oder Stress und äußern wir unsere Gefühle, Bedürfnisse oder Grenzen nicht klar bzw. zeigen sie nicht, entsteht im Inneren biochemischer Stress. Diese Stressreaktion geht grundsätzlich mit einer Erhöhung von Blutdruck, Puls, Atemfrequenz und Körperspannung einher. Gleichzeitig – um handlungsfähig zu bleiben oder vor Angst nicht verrückt zu werden – schalten sich Gefühle und das Spür-Bewusstsein ab. Auf der Körperebene werden zusätzlich wichtige Körperfunktionen wie die Verdauung, Entgiftung und Reinigung oder das Entfernen von mutierten Zellen gedrosselt.

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Unterdrücken wir unsere Gefühle, zeigt sich das auch an einem erhöhten Blutdruck

Auch unbewusste Gefühle verursachen Reaktionen

Bisher ging man bei der Therapie von Krankheiten und insbesondere von Psychosomatischen Krankheiten davon aus, das wir bewusst wahrnehmen können, was wir fühlen und erleben. Doch die sehr umfangreiche Forschung der Psychoneuroimmunologie (kurz PNI) brachte andere Erkenntnisse. Inzwischen wissen wir, dass vor allem unbewusste Gefühle, wie Angst, Wut, Verlassenheit, Enttäuschung oder Ohnmacht, auch dann eine aktive biochemische Reaktion im Körper auslösen können, wenn sie uns nicht bewusst sind. Das Ergebnis ist, dass unser Körper dann viel mehr Stress erlebt, als wir bewusst wahrnehmen, und dadurch krank wird.

Denn alles, was wir erleben, wird im Gehirn und im Körper abgespeichert.

Durch Erlebnisse entstehen neuronale Muster im Gehirn, die diese exakt abbilden. Das gilt insbesondere dann, wenn sie sich wiederholen, wie das in der Kindheit sehr oft der Fall ist.

Das bedeutet im Klartext: Nicht nur das Gefühl wird gespeichert, sondern auch die Umstände, der Geruch, die Stimmung und das dazugehörige Körpergefühl. Sogar die Körperhaltung, also die dazugehörige Verspannung oder Anspannung, wie z.B. bei Magen- oder Rückenschmerzen und das Bedürfnis, was in dem Moment nicht willkommen ist, merkt sich das Gehirn.

Webfehler im Muster

Wir reden hier von wiederholten tiefgreifenden Erfahrungen. Dazu gehört beispielsweise das Gefühl, nicht gesehen und gehört zu werden, weil die Eltern andauernd mit der Arbeit oder anderen Dingen beschäftigt sind. Oder das Gefühl der Ablehnung oder Scham, wenn wir unsere authentischen kindlichen Bedürfnisse äußern. Aber auch das Gefühl, zu viel zu sein, sobald wir uns in unserer ganzen Schönheit und Kraft zeigen. Durch diese Erfahrungen werden gewissermaßen „Webfehler“ in unsere neuronalen Muster eingewebt.

Ein Kind, das sich Geborgenheit wünscht, aber damit immer wieder Abweisung erfährt, bekommt das Gefühl, so, wie es ist, falsch zu sein. Im späteren Leben fühlt es sich dann unsicher oder sogar völlig unwohl in Beziehungen.

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Ein Kind, das wiederholt Abweisung und Einsamkeit erfährt, kann sich in späteren Beziehungen schnell unwohl fühlen

Somatisierung am Beispiel erklärt

Eine Patientin von mir kam mit chronischen Magenbeschwerden. Sie hatte als Kind sehr viel Ablehnung von ihrer Mutter erfahren. Der Vater war immer unterwegs und konnte ihr damit nicht helfen. Später im Erwachsenenalter zeigte sie immer wieder unbewusste Verhaltensweisen, mit denen sie sich bei Kollegen und Freunden unbeliebt machte. Sie erzeugte nun also unbewusst die gleiche Stimmung in ihrer Umgebung, unter der sie in ihrer Kindheit so gelitten hatte. Einfach, weil sie es selbst nicht anders kannte. Es war fast wie ein innerer Zwang. Immer, wenn ein bestimmtes Maß an Vertrauen und Nähe erreicht war, fühlte sie sich plötzlich komisch und vertrieb förmlich ihre Freunde und Freundinnen durch ihr Verhalten.

Hinter diesem Muster lag ein tiefer Schmerz über die ganze Ablehnung und Beschämung, die sie erfahren hatte. Nachdem die Trauer und die Wut darüber in dem sicheren Raum einer Therapiestunde dasein durften, entspannte sich dieses Muster in ihr. Außerdem gelang es ihr, das Muster immer seltener „abzuspielen“, nachdem wir diesen Zusammenhang gefühlt und verstanden hatten. Und mit der Zeit lösten sich dann auch ihre Magenschmerzen nach und nach auf.

Nähe, die Stress auslöst

Die Psychoneuroimmunologie hat sogar festgestellt, dass bei Menschen, die sehr frühe negative Erfahrungen mit Nähe oder Verlassenheit gemacht haben, der Körper tatsächlich in dem Moment, wo sie Nähe erleben, Stresshormone ausschüttet. Obwohl die Person wirklich verliebt ist und sich Nähe wünscht!

Genauso hat man umgekehrt beobachtet, dass bei der Person der biochemische Stresspegel abfiel und sich ihr System entspannte, sobald ihr Liebster oder die Liebste nicht mehr anwesend war. Daran kann man sehr gut erkennen, dass uns das Leben, welches wir einst gelebt haben, bis heute prägt. Ob wir wollen oder nicht; ob es uns bewusst ist oder nicht.

Wie hilft uns dieses Wissen? 

Was können wir nun mit diesen Informationen anfangen? Zunächst einmal etwas gütiger werden mit uns selbst. Zum Beispiel, wenn wir mal wieder das Gefühl haben, nicht so zu funktionieren, wie wir meinen, dass es richtig sei. Denn jeder Mensch hat diese frühen Prägungen erhalten und darf später darüber hinauswachsen.

Die Forschung der Psychoneuroimmunologie konnte zeigen, wie auf dieser Grundlage Psychosomatische Krankheiten im Körper entstehen:

  • Durch eine wiederholte negative emotionale Erfahrung – etwa Verlust, Verlassenheit, Überforderung und anderen Gefühlen – wird die biochemische Stresskaskade ausgelöst.
  • Das entsprechende Organ oder Organsystem, welches wir dabei besonders häufig verwenden oder anspannen, gerät immer wieder unter Druck. Dadurch wird das Organ oder der Körperbereich immer verspannter und enger und damit zum Beispiel auch schlechter durchblutet.
  • Gleichzeitig aktiviert die Stressreaktion das Immunsystem.
  • Es entsteht eine unspezifische Immunreaktion, die verstärkt Immunzellen in den betroffenen Körperteil pumpt. So kommt es dann durch den unbewussten Stress nicht nur zu chronischen Verspannungen, sondern auch zu chronischen Entzündungen.
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Chronische Verspannung sind oft ein Anzeichen für wiederholte negative emotionale Erfahrungen

 

Um Psychosomatische Krankheiten richtig zu verstehen und zu heilen, ist es deshalb besonders wichtig, dein Leben und deine Erfahrungen ehrlich und ungeschönt zu analysieren. Um ein klares Bild zu bekommen, solltest du diese Erfahrungen aber nicht bewerten oder deuten. Versuche erst einmal, alle wichtigen Ereignisse aufzuschreiben – inklusive deiner Gefühle, Sehnsüchte, Hoffnungen und Enttäuschungen. Dann wird sich dir schon im Moment des Schreibens ein ganz neues Bild zeigen. Lass dich überraschen, schreib einfach alles der Reihe nach auf.

Überlieferte Glaubenssätze als Verursacher enttarnen

Biochemischer Stress entsteht aber nicht nur durch seelische Verletzungen, Mangel an Geborgenheit oder Existenzängste. Ganz oft setzen uns auch Glaubensätze, die uns unsere Eltern vorleben und auf diese Weise vermitteln, unter Druck. So erzeugen sie unbewussten inneren und damit biochemischen Stress.

Natürlich ist es schwer, unbewusste Muster zu entdecken. Doch du kannst oft schon an deinen Familienanekdoten oder den Geschichten, die du erlebt hast, viele Glaubenssätze erkennen, die dich unbewusst prägen. Diese Glaubenssätze sind tief in dein Denken und Fühlen eingegraben und fühlen sich im Grunde wie ein Teil deiner Persönlichkeit an. Bei näherem Hinsehen wirst du jedoch merken, dass es zu einer überraschenden Dopplung in deiner Familie kommt. Das ist ein wichtiger Hinweis für diese überlieferten Glaubenssätze.

Die Glaubenssatz-Inspektion

Wenn du nun Lust bekommen hast, deine unbewussten Glaubenssätze besser zu erforschen, nimm dir doch 20 Minuten Zeit für eine tiefer gehende Inspektion:

  • Beschreibe zunächst ganz genau dein Symptom oder die Verhaltensweise, die dich immer wieder zu Fall bringt, schwächt oder krank macht.
  • Was ist das Besondere daran?
  • Was ist Deine dahinterliegende Überzeugung? (z.B. „Das tut man nicht!“, „Wenn ich darum bitte, mache ich mich lächerlich!“, „Die anderen brauchen doch auch keine Unterstützung“)
  • Schreibe im nächsten Schritt die wichtigste Familienanekdote auf.
  • Was ist das Besondere an dieser Geschichte?
  • Welche Werte werden hier vermittelt?

Ich wünsche dir nun viel Spaß beim Forschen!

Herzliche Grüße,

deine Anette Dröge

www.anette-droege.de

 

Anette hat noch viele weitere spannende Artikel über die Zusammenhänge von Psyche und körperlichen Symptomen verfasst. Du findest sie in ihrem Autorenprofil.

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