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Stille – Herausforderung und Segen

Wie ein Mensch mit Handicaps ein Stille-Retreat erlebt.

Als ich zum ersten Mal gehört habe, dass in den Rahmen der Menschenlehrer-Ausbildung mit Veit Lindau eine “Stille Woche” gehört, hat sich alles in mir gesträubt. Hatte ich mein ganz persönliches «Stille Retreat» doch bereits vor einigen Jahren über viele Monate hinweg gemacht. Damals lag ich im Bett, konnte nicht aufstehen und hatte sehr viel Zeit, in mich zu gehen. Während dieser Zeit stellte ich mir viele Fragen gestellt wie «Wer bin ich?», «Wofür bin ich hier?», «Was ist der tiefere Sinn hinter allem?». Meine Antworten habe ich gefunden.

Die Stille neu entdecken – gemeinsam mit anderen 

Warum sollte ich also nun ganz freiwillig in die Stille gehen, war ich doch froh dieser Stille wieder entkommen zu sein und wieder am Leben teilnehmen zu können?!

Wie der Zufall es will, lud uns ein guter Freund ein, ihn in seinem Haus mitten in den Schweizer Bergen zu besuchen. Ich sah dieses Haus, und plötzlich wusste ich, genau dort – mitten in der Natur, in der Abgeschiedenheit – möchte ich die Stille mit anderen Menschen erleben. Ich möchte herausfinden, was die Stille mit mir macht, wenn ich unter anderen Menschen bin. Denn da ich nur eingeschränkt bewegungsfähig bin, absolviere ich einen Großteil meiner Arbeit zu Hause; auch die Ausbildung verfolge ich online und vernetze mich in virtuellen Räumen (bspw. via Zoom) mit Menschen.

In Form eines kleinen Tagebuchs möchte ich meine ganz persönlichen Erlebnisse während des Stilleretreats und meine körperlichen Herausforderungen mit dir teilen. Und ich möchte dir Mut machen, an derartigen Veranstaltungen teilzunehmen, dich sichtbar zu machen und zu zeigen, wenn du ein Mensch mit Handicaps bist. Es ist eine Möglichkeit zu heilen!

Tag 1 und 2 – Wovor läufst du weg?

stille-dickStart mit gemischten Gefühlen. Ich habe meine ganz eigene Herausforderung. Zuhause in meiner Wohnung ist alles auf meine Gehbehinderung eingerichtet, hier nicht. Da ich kaputte Knie und Lip-Lymphödeme habe, kann ich mich nicht auf den Boden setzen, um zu meditieren. Außerdem habe ich auch im Sitzen auf einem Stuhl ständig Schmerzen in den Beinen. Um halbwegs schmerzfrei zu sein und zu vermeiden, dass meine Beine noch mehr anschwellen, sollte ich die Beine hochlegen. Dies ist in diesem Haus nur auf der Couch möglich, die aber wiederum zu niedrig für mich ist. Ich könnte ohne Hilfe nicht aufstehen.

Irgendwann habe ich eine Position gefunden, in der ich es aushalten konnte. Von Entspannung konnte jedoch keine Rede sein. Am Nachmittag sind durch die unbequeme Sitzhaltung meine Beine noch mehr angeschwollen und ich beschließe, die Session in meinem Zimmer zu verbringen.

Wir sollten uns unter anderem die Fragen stellen:

  • «Wo in meinem Leben laufe ich weg?
  • « Gegen was kämpfe ich?»
  • « Wo halte ich Menschen in meinem Leben fern?»

Mir wird bewusst, dass ich in den letzten Jahren immer im Kampfmodus war.

Kämpfen

  • … um aus dem Rollstuhl zu kommen.
  • … gegen die ewigen Schmerzen.
  • … gegen meinen Stolz.
  • …  um Anerkennung.
  • … um gesehen zu werden.

Ich habe es so satt zu kämpfen. Kann es nicht mal leicht werden?

Tag 3 Das Drama darf zu Hause bleiben

stille-DramaEin wunderschöner Tag. Ich komme nun endlich auch bei mir an. Wichtig war zu erkennen, dass ich gut für mich selbst sorgen darf. Wenn ich bequem und halbwegs schmerzfrei sitzen kann, kann ich entspannt lauschen. Ich komme auch in die Stille, wenn ich mich auf den Schmerz konzentriere und ihn annehme, anstatt dagegen zu kämpfen. Bedeutend tiefer geht es allerdings definitiv ohne Schmerzen.

Die Frage des Tages für mich ist «Wo kreiere ich mir selbst ein Drama?»

Ich merke, dass ich mir ein Drama kreiere, weil ich zu stolz bin, mir selbst und anderen einzugestehen, dass ich nach wie vor in einigen Bereichen des Lebens Hilfe benötige.
Dieser Stolz hält mich davon ab, die Sessions gemeinsam mit den anderen zu verbringen.
Lieber ziehe ich mich in mein Zimmer zurück, als mich auf das Sofa zu setzen, um im Team die Meditationen zu erleben. Ich müsste dann fragen, ob mir jemand beim Aufstehen behilflich sein kann. Das ist mir peinlich. Also kreiere ich mir völlig unnötig Stress.

Nachdem ich das erkannt habe, beschliesse ich auf meinen Stolz zu verzichten und um Hilfe zu bitten. Für die Anderen gar kein Problem mir zu helfen – allein ICH machte ein Problem daraus.
Ansonsten komme ich mit meinen Mitbewohner*innen gut zurecht.  Wir sind alle sehr unterschiedlich und obwohl wir nichts voneinander wissen und uns vorher nicht gekannt haben, wächst hier ein Team heran, in dem jede*r den eigenen Platz hat. Wunderschön zu beobachten.

Tag 4 Lass dich komplett fallen!

stille-FallschirmHeute ist ein magischer Tag. Wir sind umgeben von dichtem Nebel. Nur unser Haus mit den umliegenden Wiesen ist nicht im Nebelmeer versunken. Wie eine Insel, eine Oase des Friedens, der Harmonie und der Liebe. Nun, da ich bereit bin Hilfe anzunehmen, kann ich mich so richtig hingeben und fallen lassen.

Ich liebe diese Stille in mir und um mich und möchte ewig darin versinken.
Heute geht es darum uns einzulassen und uns die Frage zu stellen, wo in unserem Leben wir uns nicht einlassen.

Die Frage des Tages ist für mich «Was ist für mich das grösste Geschenk in diesen Tagen».

Mein Geschenk ist, dass ich das erste Mal seit vielen Jahren alleine (ohne meinen Mann) unterwegs bin und gut damit zurechtkomme. Er hat mich so viele Jahre unterstützt und gepflegt, dass es für uns beide sehr wichtig ist endlich zu erkennen, dass das nicht mehr nötig ist und los zu lassen.

Wir dürfen lernen, dass das nichts mit unserer Liebesbeziehung zu tun hat – wir sind nach wie vor sehr miteinander verbunden und möchten nicht wirklich voneinander getrennt sein – aber ich bin nicht mehr als Pflegefall abhängig und auf seine Hilfe angewiesen. Das ist für mich mit Abstand das wertvollste Geschenk, das ich während dieser erfahren darf.

Ich habe endlich meine Freiheit zurück. Was für ein Segen! Danke.

Tag 5 und 6 Angekommen in der Stille

stille-Paar

Es fällt nicht mehr schwer zu schweigen. Im Gegenteil, wir geniessen die Stille und die Verbundenheit. Die Liebe zueinander wächst.

Machtvolle Fragen wie

  • «Wer bist du?»
  • «Was bist du?»
  • «Warum bist du?»
  • «Was bist du nicht?»
  • «Was ist Leben?»
  • «Was ist Tod?»
  • «Wer bin ich?»
  • «Wer sind wir?»
  • «Was ist Freiheit?»
  • «Was ist Liebe?»
  • «Was ist Hingabe?»

lassen uns gegenseitig ganz tief in die Seelen blicken, machen uns offen, weich und zart. Ich habe das Gefühl etwas in uns ist aufgebrochen, unsere Herzen sind weit geöffnet und liegen ungeschützt vor uns. Verletzbar und wunderschön. Wir sehen uns gegenseitig, wie wir wirklich sind.

Es sind magische Momente, die ich als Hingabe bezeichne. Ich kann mich nicht erinnern, jemals so eine tiefe Liebe für mir fremde Menschen empfunden zu haben.

Fazit:

Stille in der Gemeinschaft ist für mich etwas ganz anderes als die gewohnte Stille mit mir allein.
Wenn ich mit mir alleine bin, ist es einfacher. Vermeintliche «Mängel» mache ich nur mir selbst bewusst. In der Gemeinschaft mit anderen kann man sich nicht verstecken. Es ist ein Sich-zeigen, ein Nackt-machen vor Anderen, dem Prozess hingeben, vertrauen und gleichzeitig bedingungslose Liebe zu erfahren.

Es ist ein Erfahren der Einheit zu Allem was ist, ein eins SEIN, ein Verschmelzen miteinander. Es gibt keine Trennung. Ich bin sehr glücklich und froh, meine Komfortzone verlassen zu haben. Danke für diese wertvolle Erfahrung!

 

Ursula Maria Ruf berichtet übrigens auch auf ihrem eigenen Blog, über ihre Erfahrungen mit der Stille. Lies hier rein!

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Wenn dieser Artikel dir gut gefallen hat, lies doch auch in folgenden Artikel über das Stille-Retreat mit Veit Lindau hinein:

5 Tage mal raus aus allem: Die Kraft der Stille – Ein Erfahrungsbericht

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