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Glücks-Ökonomie

Teilen als Grundprinzip – Wusstest du, dass es eine Ökonomie des Glücks gibt?

Annette Jensen, Co-Autorin des Buchs Glücks-Ökonomie, im Gespräch samt einem „Aktionsplan für ein besseres Leben“

„Glücks-Ökonomie – wer teilt, hat mehr vom Leben“- unter diesem Titel haben die beiden freien Journalistinnen und Autorinnen Annette Jensen und Ute Scheub ein gemeinsames Buch veröffentlicht. Darin schildern sie vielfältige Beispiele aus der ganzen Welt und präsentieren Menschen, die eine solidarische, ressourcenschonende und faire Wirtschaftsweise jenseits von Wachstumsorientierung und Kapitalismus praktizieren.

Diese Erfolgsgeschichten durchdringen mannigfaltige Geschäftszweige und zeigen neue kooperative Wirtschaftspraktiken auf – vom Prinzip des patentfreien „Copy left“,das die Ko-Kreation anregt, anstatt eines „Copyright“, das die Konkurrenz triggert, über die Gemeinwohl-Ökonomie und neue Finanzierungsformen abseits des klassischen Bankenwesens, von kollaborativen, digitalen Angeboten über freie Forschung und Bildung bis hin zu erneuerbaren Energien.

Sie zeigen: Eine alternative, faire Wirtschaftswelt ist möglich und schon längst da; sie schont die Ressourcen der Menschen wie die ihrer Mitwelt und ist imstande, alles wieder in Balance zu bringen. Die Frage ist nur, ob sie bereits tragfähig und sichtbar ist, wenn der Kollaps die Wachstumswelt ereilt.

In jedem Fall stimmen die Geschichten hoffnungsfroh und vermitteln Aufbruchsstimmung. Grund genug, dass ich neugierig war, Annette Jensen dazu zu interviewen.

Ihr habt Euer Buch „Glücks-Ökonomie“ betitelt. Das klingt ja sehr kuschelig. Warum brauchen wir eine Glücks-Ökonomie?

Die Glücksforschung zeigt ganz eindeutig, dass Kooperation und Agieren auf Augenhöhe die Menschen glücklicher macht. Unser heutiges Wirtschaftssystem, das auf immer mehr Wachstum ausgerichtet ist, ist eigentlich wider die Natur des Menschen. Denn die Forschung zeigt auch: Materieller Besitz macht nur bis zum Erreichen eines Einkommens von etwa 15.000 bis 25.000 Dollar im Jahr immer glücklicher, danach steigert das Einkommen das Wohlbefinden nicht. Wozu dann das Ganze? Uns Menschen machen gelingende Beziehungen glücklich, nicht immer mehr Geld.

Glücksökonomie

© Nina Weymann-Schulz

Wie sehr greift denn diese Glücks-Ökonomie schon um sich, ist das in Zahlen messbar?

Zurzeit befinden wir uns noch in einem Stadium, in dem sich die Krisen immer weiter zuspitzen: von der Finanzkrise zur Umweltkrise zur Flüchtlingskrise. Parallel dazu wuchert diese neue Art des Wirtschaftens an vielen Stellen in das alte System hinein.

Das ist in Zahlen schwer auszudrücken, denn vieles davon ist schlicht nicht messbar oder entzieht sich systematisch der quantitativen Darstellbarkeit – etwa wenn ein Mensch sich entscheidet, komplett geldfrei zu leben, oder wenn Produkte statt mit Geld mit einer anderen Gegenleistung bezahlt werden.  Dahinter steht ein ganz anderes Wertesystem, das sich gerade nicht in Euro ausdrücken lässt und deshalb von vielen gar nicht wahr- und ernstgenommen wird.

Ihr schreibt in der Einleitung zu Eurem Buch, dass Ihr von Beobachterinnen zu Beteiligten geworden seid. Was hat sich für Dich persönlich durch das Verfassen des Buchs verändert?

Vor allen Dingen mein Blick und meine Haltung haben sich komplett verändert: Früher, als ich noch im Ressort Wirtschaft und Umwelt der tageszeitung (taz) beschäftigt war, hatte ich eher apokalyptische Vorstellungen. Wenn man viel über das Thema Klimawandel schreibt und was da in diesem Bereich eben nicht passiert, dann kann man eigentlich nur depressiv werden, und es zieht einem viel Energie ab.

In den Recherchen zu meinem Buch „Bruttosozialglück“ und auch bei der Arbeit am Buch „Glücks-Ökonomie war der Fokus ein anderer: Ich habe viele Menschen getroffen, die manchmal nur kleine Schritte gehen, die sich aber in die richtige Richtung bewegen. Sie strahlen jede Menge positive Energie aus, und das überträgt sich. Ich selbst habe mit Terra Preta angefangen und wohne in einem Null-Emissions-Haus. Aber vor allen Dingen habe ich jetzt eine positive Grundhaltung.

Welche Rahmenbedingungen müssen sich verändern, damit das Erstarken einer Glücks-Ökonomie begünstigt wird?

Ich denke, am wichtigsten ist es, den Glauben daran zu stärken, dass eine Veränderung möglich ist. Gelingende Beziehungen sind dafür extrem wichtig, weil sie zeigen, dass der Alltag auch ganz anders aussehen kann und sie dadurch einen positiven Gründer*innengeist fördern, die Menschen wieder ins Handeln zu bringen und seien die Schritte auch noch so klein.

Viele heute sehr erfolgreiche Projekte haben sehr klein begonnen: Die Schönauer Stromrebellen etwa starteten mit Stromspar-Wettbewerben in der Nachbarschaft. Heute sind sie ein ausgewachsenes Energiesparunternehmen, dessen Ökostrom in der ganzen Republik zu beziehen ist. Das war sicher zu Beginn gar nicht so geplant, sondern hat sich Schritt für Schritt so entwickelt. Gerade bei Gemeinschaftsprojekten ist es gar nicht absehbar, was sich alles ergeben kann.

Vielen Dank für das Gespräch, liebe Annette!

+++++

Und jetzt Obacht und aufgepasst – hier kommt ein

Aktionsplan für ein zukunftsfähiges, gutes Leben

Glücksökonomie

© Nina Weymann-Schulz

Die Wege hin zu einem guten Leben und einer Wirtschaftsweise, die dies möglich macht, sind vielfältig. Das Buch „Glücks-Ökonomie“ versammelt zahlreiche gute Beispiele aus der ganzen Welt und aus vielen unterschiedlichen Bereichen, die aufzeigen, was alles dazu beiträgt.

Analog zur Bundesregierung, die im vergangenen Jahr einen Bürgerdialog zum „Guten Leben“ startete, stellen die Autorinnen im letzten Kapitel ihres Buch zur „Glücks-Ökonomie“ einen – wie ich finde – sehr inspirierenden alternativen „Aktionsplan für ein gutes Leben“ auf, in dem sie in 33 Punkten, nochmals einen Überblick über die wichtigsten Aspekte des Buches bieten. Ich habe das Kapitel hier in 13 Punkten essenziert:

  1. Bindungen und Empathie pflegen…
    … weil sie das wertvollste auf der Welt sind und uns reich beschenken und beglücken. Diese werden befördert durch Nachbarschaftshilfen und Stadtteilgärten, in denen die Menschen sich wieder mehr begegnen.
  2. Konkurrenz meiden, Kooperation fördern…
    … weil Konkurrenz nachgewiesenermaßen unglücklich macht und Kooperation glücklich. Deswegen sollten genossenschaftliches Wirtschaften und Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaften gefördert werden, denn regionale Wertschöpfungsketten sowie die Beschäftigung vor Ort bringen das Miteinander voran.
  3. Selbst- und Mitbestimmung stärken…
    … weil die „Glücksforschung“ besagt, dass Einwohner*innen von Ländern mit direkter Demokratie zufriedener sind. Dazu gehört die politische Teilhabe von Kindern und Jugendlichen oder ein Bürgerhaushalt, der mit angemessenen Finanzmitteln ausgestattet ist.
  4. Selber machen und selbst ernähren…
    … weil Gärtnern Menschen erdet, Ressourcen schont, Entfremdung verringert und beglückend ist. Freiflächen in der Stadt könnten umgenutzt und zu Gemeinschaftsgärten werden; auch freistehende Park- und Dachflächen lassen sich begrünen!
  5. Die Wirtschaft wieder ihrem eigentlichen Sinn zuführen…
    … Statt Gewinnmaximierung als Fokus wirtschaftlichen Handelns zu fördern, stärken wir die Gemeinwohl-Orientierung in der Wirtschaft und geben dem Lokalen Vorzug gegenüber der globalisierten Warenwirtschaft.
  6. Artenvielfalt vergrößern…
    … weil Diversität unsere Widerstandsfähigkeit gegen Katastrophen stärkt. Menschenrechte sollten ergänzt werden durch Rechte für Tiere und Pflanzen.
  7. Neue Formen der Bildung…
    … weil hierarchische und klassische Bildungssysteme und ihr starres Regelwerk die angeborene Neugier und Lernfreude zerstören. Dazu gehören Waldkindergärten oder ein demokratischer und ganzheitlicher Schulunterricht.
  8. Materielle Unterschiede verringern, Gleichheit fördern…
    … weil Gesellschaften mit gleichmäßiger materieller Verteilung nachweislich glücklicher sind. Dazu gehört auch eine Willkommenskultur für Flüchtlinge.
  9. Teilen und gemeinsam nutzen, beitragen statt eintauschen…
    … weil Menschen, die teilen, mehr vom Leben haben: Glück, Wissen und Lachen vermehren sich, wenn man sie teilt. Dazu gehören Tauschinitiativen, in denen Waren, Wissen und Kultur weiter gegeben werden.
  10. Gemeingüter schützen…
    … weil wir sie viel mehr brauchen als uns bewusst ist. Dazu gehören Ratsbeschlüsse zur Ablehnung der Privatisierung von Wasser- oder Verkehrsunternehmen oder von „Freihandelsabkommen“ wie TTIP.
  11. Weltbürgerbewusstsein entwickeln…
    … weil wir alle gleich sind und uns deshalb Hunger und Elend anderer nicht kalt lässt. Dazu gehören Bürgerdialoge mit der Politik, um den ökologischen Fußabdruck zu verringern.
  12. Das Solar-Zeitalter leben…
    … weil Solar-Kultur jeder Mensch einfach leben kann. Dazu gehören Solarpanels auf die Dächer aller Ämter und Behörden und der Bezug von Ökostrom durch Stadt und Bürger/innen.
  13. Wir sind der Wandel!
    … weil 5 Prozent Entschlossene genügen, um eine ganze Gesellschaft zu verändern. Das wären in Berlin 200.000 Menschen – soviele gingen übrigens in ganz Deutschland gegen TTIP auf die Straße.Der komplette Aktionsplan sowie weite Teile des Buches „Glücks-Ökonomie“ und einige weitere Infos sind „Open source“ hier verfügbar: http://www.gluecksoekonomie.net/ 

Dieses Interview wie auch der komplette Aktionsplan sind im Rahmen einer Veranstaltungsreihe entstanden, die ich im vergangenen Jahr gemeinsam mit der Stiftung Leben und Umwelt – Heinrich Böll Stiftung Niedersachsen konzipiert und durchgeführt habe. In diesem Rahmen ist auch eine Publikation entstanden, die u.a. dieses Interview und den Aktionsplan enthält. Die Publikation ist hier einsehbar.

Ich freue mich über Austausch, herzlich, Steffi.  

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