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Gefühle

Unterdrückte Gefühle – ein unbewusster Selbstschutz

Unser Körper verfügt über sehr sinnvolle und durchaus belastbare Selbstheilungsmechanismen. Auch Gefühle und Bedürfnisse gehören dazu. Sie sorgen täglich dafür, dass wir im Gleichgewicht bleiben. Einige benachrichtigen uns zum Beispiel wenn wir etwas trinken oder essen sollten. Andere greifen im Konfliktfall ein. Unsere körpereigenen Selbstheilungsmechanismen sind vollkommen aufeinander Abgestimmt und miteinander vernetzt. So bleiben wir in jeder Situation im handlungsfähig. Wenn wir Stress bekommen durch z.B. Zeitdruck oder Ärger, wird im Körper Energie mobilisiert, die wir für einen anstehenden Kampf oder eine Flucht brauchen. Dieser Mechanismus ist im Sinne unserer biologisch evolutionären Entwicklung uralt. Wir haben dann im wahrsten Sinne des Wortes das Gefühl, unter Strom zu stehen. Diese Reaktion läuft ganz automatisch ab und hilft uns das stressige Ereignis durchzustehen.

Der Körper reagiert auch auf unbewussten Stress

In meiner Praxis begegne ich vielen Menschen mit psychosomatischen Krankheiten und Burnout-Syndrom. Als psychosomatische Krankheiten – das Wort setzt sich aus »Psyche« für Seele und »Soma« für Körper zusammen – bezeichnet man Krankheiten, die einen starken seelischen Anteil bzw. Auslöser in ihrer Entstehungsgeschichte haben. Sie entziehen sich den bekannten Behandlungsverfahren. Daher können sie erst durch die Beschäftigung mit der seelischen Verletzung, die dahintersteckt, kuriert werden. Das Symptom kann in der Regel auch durch Ort und Art der Beschwerden wichtige Hinweise zu eben jenen Themen liefern. Aber wir werden nicht nur krank durch emotionale Verletzungen oder Stress, sondern auch durch unseren Lebensstil. Viele meiner Patienten wurden auch deswegen krank, weil sie an einem bestimmten Punkt aufgehört haben, auf ihre Gefühle und ihre Impulse aus dem Inneren zu achten. Und diese wahr- und ernst zu nehmen.

 

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Wer nicht auf seine innere Stimme hört, wird zwangsläufig irgendwann krank


Wie Gefühle unser Leben lenken

Meistens fängt es harmlos an. Am Anfang einer Krankengeschichte steht meistens eine Phase, in der Menschen beginnen, ihre  lebenserhaltenden Gefühle und Bedürfnisse wie das nach Schlaf, Ruhe, Nahrung, etc. zu ignorieren. Sie tun dies, um in ihrer jeweiligen Lebenssituation weiter zu funktionieren. Dauerstress bringt aber unser biochemisches Gleichgewicht völlig durcheinander. Er öffnet Tür und Tor für verschiedenste Krankheiten. Im Umgang mit unseren elementaren Bedürfnissen zeigt sich auch ganz deutlich unser Umgang mit unseren seelischen und emotionalen Bedürfnissen. Wir neigen dann einerseits dazu, uns das Trinken zu verkneifen. Wenn wir Durst haben verkneifen wir uns dies andererseits im selben Maße. Nehmen unsere Gefühle nicht ernst, weil es gerade nicht in den Arbeitsalltag passt, oder den Arbeitsablauf stört.

 

Abgeschnitten von den eigenen Gefühlen

Dadurch geht aber der Kontakt zu den eigenen Gefühlen mit der Zeit immer mehr verloren. Viele meiner Patienten müssen zunächst ihre Körperwahrnehmung zurückgewinnen. Oft wurden die Gefühle im »Eifer des Gefechts« so lange unterdrückt, dass sie völlig in Vergessenheit geraten sind. Und zwar nicht nur das Gespür für Grenzen, z. B. die Wahrnehmung ihrer eigenen Erschöpfung, sondern selbst so grundsätzliche Empfindungen wie Durst oder Hunger. Für diese Menschen gilt der Grundsatz: „Nichts fühlen ist auch ein Gefühl.“ Wer sich so stark von seiner Selbstwahrnehmung abgeschnitten hat, begegnet oft als Erstes dem Eindruck »nichts fühlen zu können. »Schnell noch diese Seite fertig schreiben, nur noch eine E-Mail beantworten, noch ein Telefonat, ein Gedanke …«  Und dann ist plötzlich eine Stunde um oder zwei oder drei. Wer kennt das nicht? Sitzt du, abends noch lange vor dem Fernseher oder Computer, anstatt ins Bett zu gehen und zu schlafen, wenn du dich müder fühlst? Was ist der Grund dafür? Wer hat dir das beigebracht? Welche innere Stimme treibt dich an, über deine Grenzen zu gehen?

 

Wenn der innere Antreiber spricht

In der körperorientierten Psychotherapie nennen wir diese innere Stimme auch den »inneren Antreiber«. Bei der Auseinandersetzung mit psychosomatischen Krankheiten spielt er eine sehr wichtige Rolle. Und wie gehst du mit deinen Bedürfnissen nach Nähe und Geborgenheit Um? Oder auch mit der inneren Erlaubnis nach Grenzen und Rückzug? Erwachsene haben ebenso wie Kinder ein Bedürfnis nach Kontakt, Nähe und Geborgenheit, nur eben auf eine erwachsene Art und Weise. Ein großer Unterschied ist, dass wir als Erwachsene selbst dafür verantwortlich sind unsere Beziehungen zu pflegen. Oder uns selbst Geborgenheit zu geben. Dafür zu sorgen, dass wir uns wohlfühlen, indem wir uns Räume für Begegnungen, Berührung und Freude schaffen. Ebenso wie Rückzug und Erholung. Besonders diese nährenden, positiven Gefühle von seelischer Geborgenheit und Zugehörigkeit, stärken unser Immunsystem und damit die Gesundheit.

 

Auseinandersetzung und Aufarbeitung

Der schwierigste Teil auf dem Weg zur Genesung von Psychosomatischen Krankheiten, ist die Auseinandersetzung und Aufarbeitung der großen persönlichen Themen und Verletzungen. Und zwar jene, die uns seit der Kindheit begleiten oder uns schon in die Wiege gelegt wurden. Diese »wunden Punkte« beeinflussen unser ganzes Leben. Sie können uns krank machen. Bei tiefen Verletzungen kommt erschwerend hinzu, dass wir sie zunächst oft gar nicht bewusst wahrnehmen können. Dies deshalb, weil sie aufgrund von Selbstschutzmechanismen verdrängt werden. Sie erzeugen aber eine Art Grundrauschen, durch das unser allgemeiner Stresspegel insgesamt erhöht ist. Das macht unseren Körper dann natürlich insgesamt anfälliger für Stress. Auf solche Themen werden wir oft erst durch Krankheiten gestoßen, die, wie es bei psychosomatischen Krankheiten üblich ist, nicht auf dem »normalen Weg« auskuriert werden können.

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Wir müssen lernen Gefühle nicht mehr zu verdrängen

 

Sie zwingen uns dann genauer hinzusehen. Und uns mit unseren seelischen Verletzungen auseinanderzusetzen. Heilung entsteht, wenn wir lernen, wohlwollend mit unseren Verletzungen und Mustern umzugehen. Wir müssen lernen Gefühle anzunehmen, die damit verbunden sind, auch wenn es uns manchmal sehr schwerfällt. Das Annehmen dieser Gefühle macht uns authentischer, klüger und stärker.


Wichtige Gefühle, die unser Leben beeinflussen

Angst: besonders Angst ist ein sehr unbeliebtes Gefühl, aber wenn wir auf sie achten, kann sie uns im entscheidenden Moment schützen.

Ärger: gefühlter Ärger kann uns dabei helfen, uns rechtzeitig abzugrenzen und uns vor weiteren Grenzverletzungen bewahren. Diese Kraft hilft uns einen Standpunkt einzunehmen und dadurch unser Leben besser zu gestalten.

Nähe und Geborgenheit: Der gefühlte Wunsch nach Nähe und Geborgenheit kann erfüllt werden und uns so davor schützen, in Ersatzbefriedigungen und Süchte abzugleiten. Gefühlte Bedürfnisse helfen uns ein gesundes Leben zu führen und authentisch zu sein.

Zufriedenheit und Unzufriedenheit: Bei näherem Hinsehen sind Zufriedenheit und Unzufriedenheit sehr wichtige Gefühle, die oft unterschätzt werden. Sie sind vollkommen individuell und von ganz unterschiedlichen, dahinterliegenden Bedürfnissen und Gefühlen  motiviert. Wir alle haben das mit Sicherheit schon erlebt: Wenn wir uns über einen längeren Zeitraum, in einer schwierigen Situation befinden, entsteht im Inneren eine bohrende Unzufriedenheit. Sie lässt uns spüren, dass Körper und Seele sich schon länger unwohl fühlen, oder das sich verschiedene Gefühle wie Ärger, Frustration oder Enttäuschung angehäuft haben.

 

Unzufriedenheit ist gut fürs Gehirn

Sie treibt uns an, Dinge zu verändern, uns auf den Weg zu machen, etwas Neues zu lernen, nach der Liebe Ausschau zu halten oder uns weiterzuentwickeln. Gehirnbiologisch sind Phasen, in denen wir ein solch inneres Dilemma lösen müssen, immer besonders wertvoll und effektiv, denn das Gehirn wird praktisch dadurch gezwungen, neue Wege auszuprobieren und andere Strategien zu entwickeln. Die Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit ist ebenso eine Triebkraft etwas zu verändern, wie Angst, Enttäuschung oder Einsamkeit.  Praxisbeispiel: Eine meiner Patientinnen wurde von einem starken Hautausschlag gequält. Versteckter Auslöser dieser Erkrankung war ein tiefes Gefühl von Einsamkeit, was sie stets mit übertriebener Fürsorge für andere überspielte. Sie war gezwungen, sich mehrmals am Tag einzureiben und sich auf diese Weise endlich mal ganz intensiv sich selber zuzuwenden. Der Ausschlag war anfangs so schlimm, dass sie im Krankenhaus von den Schwestern eingerieben werden musste. So erlebte sie das erste Mal in ihrem Leben so etwas wie liebevolle Aufmerksamkeit. Ihr Symptom sorgte also dafür, dass sie genau das bekam, was ihre Seele so lange entbehrt hatte.

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Symptome zeigen uns oft, was wir wirklich brauchen


Positive Gefühle stärken die Abwehr

Die schlichte Tiefe und Wahrheit, die auftaucht, wenn wir uns unseren Symptomen zu- wenden, fasziniert mich immer wieder aufs Neue. Wir alle wünschen uns Liebe, Anerkennung und Erfüllung, denn der Mensch ist ein soziales Wesen. Die Studien der umfangreichen Forschung der Psychoneuroimmunologie kurz PNI,  zeigen wie positiv sich Geborgenheit und liebevollen Beziehungen auf das Immunsystem auswirken. Positive Gefühle stärken sogar das Immunsystem, während negative Gefühle und vor allem auch das Nicht-Fühlen und nicht ausdrücken können von Gefühlen das Immunsystem schwächt. Gefühle wie Ärger, Enttäuschung und Ungerechtigkeit, fordern uns heraus und bringen uns an unsere Grenzen. Sie können unsere Gesundheit schädigen, wenn wir keinen sinnvollen Weg finden, mit ihnen umzugehen. In unseren Gefühlen sind aber sehr wichtige und große seelische Kräfte verborgen. Wenn wir uns trauen, mit ihnen umzugehen, helfen sie uns, unser Leben zu verbessern oder wichtige Grenzen zu setzen.

Herzliche Grüße,

deine Anette Dröge

www.anette-droege.de

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Wenn dich das Thema dieses Artikel interessiert hat, empfehlen wir dir auch Anettes neues Buch „Fühlen ist gesund“, erschienen im Fischer & Gann Verlag:

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Anette hat noch viele weitere spannende Artikel über die Zusammenhänge von Psyche und körperlichen Symptomen verfasst. Du findest sie in ihrem Autorenprofil.

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