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Unterdrückter Kindheitsschmerz kann mit Liebe und Mitgefühl heilen

Bei vielen von uns macht sich unterdrückter Kindheitsschmerz über lange Zeit bemerkbar, ohne dass wir ihn als solchen erkennen. Wir leiden dann oft unter bestimmten Gewohnheiten, Gefühlszuständen oder Gedanken, die wir – sobald diese auftauchen – so schnell wie möglich wieder loswerden oder zumindest verändern wollen. Was vielen dabei nicht bewusst ist: Geben wir diesem Impuls nach, erhöhen wir damit fast immer die Intensität des an die Oberfläche drängenden Gefühls oder Gedanken. Etwa so, wie sich der Auftrieb erhöht, wenn man einen schwimmenden Ball unter Wasser drückt.

Warum wir verdrängen

Ein häufiger Grund, warum wir Gefühle verdrängen und bestimmte Gefühlszustände nicht genauer betrachten wollen, ist die Befürchtung, alles könne noch schlimmer werden, wenn wir bewusster wahrnehmen. Die Angst davor, von Emotionen wie Wut, Trauer, Angst, Enttäuschung oder Einsamkeit vereinnahmt oder gar überwältigt zu werden, führt dazu, sie noch stärker zu kontrollieren und noch härter zu bekämpfen. Auf diese Weise vergraben wir sie jedoch immer tiefer in uns selbst.

Unterdrückter Kindheitsschmerz

Verdrängung und Unterdrückung sind Bewältigungsmechanismen, die aus der Kindheit kommen. Manches in unserer Kindheit war leicht, anderes hat uns überfordert. Damit das Schmerzhafte uns nicht überwältigt, blieb uns als Kind oft keine andere Möglichkeit, als zu verdrängen und zu vergessen.

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Jedes Kind erlebt auch schmerzhafte Momenten. Sind die Erfahrungen zu überwältigend, bleibt oft nur der Weg der Verdrängung, um sich selbst zu schützen

 

Doch der Körper vergisst nichts – alle Erinnerungen sind in ihm gespeichert. Und ohne es zu wissen, haben sich die Gefühle und Erinnerungen aus der Kindheit mit unserer Welt verbunden. Einen Teil unseres Lebens haben wir aus der Perspektive des verletzten Kindes gelebt. Und früher oder später taucht der alte Schmerz aus der Kindheit wieder auf und erinnert uns daran … Der Schriftsteller Hermann Hesse schrieb dazu:

„Du hast Deine Kindheit vergessen? Aus den Tiefen Deiner Seele wirbt sie um Dich. Sie wird Dich so lange leiden machen, bis Du sie hörst.“  

Tief in uns befindet sich ein Teil, der sich vom Rest der Welt zurückgezogen hat, weil die Welt für ihn nicht sicher war. Bei diesem Teil handelt sich um das sogenannte „traumatisierte Kind“, welches auch Einfluss auf unser Denken, Fühlen und Handeln hat. Es beeinflusst unsere Wahrnehmung, unsere Überzeugungen und wiederholt unbewusst immer wieder die leidvollen Erfahrungen aus der Vergangenheit. 

Folgen der Unterdrückung 

Manche Menschen funktionieren im Alltag nur deshalb, weil sie die schmerzhaften Gefühle aus der Vergangenheit unterdrücken. Das führt jedoch dazu, dass sie immer mehr an Kraft, Freude, Vitalität und Lebensenergie verlieren. Auch können diese Menschen destruktive Emotionen und Verhaltensweisen entwickeln, die zerstörerisch im Umgang mit sich selbst und anderen Menschen wirken. Auf diese Weise baut sich der innere Schmerzkörper, wie Eckhard Tolle ihn nennt, auf. Manche Menschen neigen dann auch dazu, den Schmerz auf andere zu projizieren oder ihren Frust an den Menschen auszulassen, die ihnen am nächsten stehen. Dadurch treiben sie sich selbst und andere immer tiefer in den Kreislauf des Leidens hinein und bestrafen am Ende sich selbst.

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Traurigkeit, Kraftlosigkeit und immer wiederkehrende Konflikte können Anzeichen unterdrückten Kindheitsschmerzes sein

Ein Lösungsweg

Sich dem inneren Schmerz zu widersetzen oder ihn beseitigen zu wollen, beruht auf der Vorstellung, etwas an ihm wäre falsch. Aber das stimmt nicht. Schmerz bringt auch immer eine Lektion mit sich, die uns dabei hilft, zu wachsen – wenn wir die Bereitschaft haben, die Realität des Schmerzes anzuerkennen.

Anstatt vor dem Schmerz davonzulaufen, wäre also der gegenteilige Weg die Lösung:

  • stehen bleiben und sich bewusst dem Schmerz zuwenden,
  • alle auftauchenden Gefühlszustände willkommen heißen,
  • achtsam und mitfühlend mit sich selbst sein
  • und sein Herz für sich selbst öffnen.

Das mitfühlende Herz umarmt den Kindheitsschmerz 

Stell dir vor, jemandem, den du liebst, passiert etwas Leidvolles. Würdest du davonlaufen? Wahrscheinlich nicht. Ähnlich verhält es sich mit unserem inneren Schmerz. Wir können uns nicht selbst lieben und gleichzeitig vor uns davonlaufen. Der Schmerz ist ein Teil von uns.

Der Schlüssel zur Heilung des inneren Schmerzes ist Selbstliebe und Selbst-Mitgefühl. Bei der Selbstliebe geht es darum, sich heute das zu geben, was wir früher von anderen nicht bekommen haben. Selbstliebe bedeutet, wir sind bei uns im Schmerz und zeigen uns selbst und dem Schmerz gegenüber Mitgefühl. Mitgefühl hat nichts damit zu tun, etwas Besonderes oder überdurchschnittlich zu sein. Mitgefühl mit sich selbst hängt einzig von unserer Entscheidung ab, uns selbst gegenüber Liebe, Güte und Fürsorge zu zeigen.

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Bild: Sylvia Römer

 

Bei der Heilung des traumatisierten Kindes können Visualisierungen eine sehr gute Unterstützung sein, wie zum Beispiel die folgende:

  • Schau dir deine alten Kinderbilder an und wähle ein Foto von dir aus – am besten aus der Zeit, wo die Verletzung stattgefunden hat (wenn du weißt, wann genau das war).
  • Stelle das Bild an eine Stelle, wo du es jeden Tag sehen kannst und es dich daran erinnert, dass dieses Kind jetzt deine Liebe und dein Mitgefühl braucht.
  • Umarme dein inneres Kind täglich in deiner Vorstellung. Du kannst ihm auch einen Liebesbrief schreiben oder einen inneren Dialog mit ihm führen.

Visualisierungs-Übung, um das kindliche Selbst zu beruhigen

Taucht der Kindheitsschmerz auf, kann das ein sehr überwältigendes und auch beängstigendes Gefühl sein. Deshalb möchte ich dir gerne noch eine zweite Visualisierungs-Übung vorstellen, die dir in solchen Momenten Erleichterung verschaffen kann:

  • Schaffe dir in der Vorstellung einen Ort, wo du dich sicher und geborgen fühlst.
  • Stelle dir nun vor, wie du dein Kind umarmst. Halte es fest in deinem Arm.
  • Wenn es dabei zu weinen anfängt, lasse es einfach geschehen.
  • Tröste es so, wie du es dir als Kind immer gewünscht hättest.
  • Achte auf ein Gefühl der Erleichterung und der Entspannung.
  • Sage dann dem Kind, dass du immer für es das bist, wenn es deinen Trost benötigt, es mit dir kuscheln oder reden will.
  • Umarme es dann nochmal voller Mitgefühl und sage ihm, dass du es liebst, immer geliebt hast und immer lieben wirst.
  • Dann kehre mit deiner Aufmerksamkeit langsam wieder zurück in die Gegenwart, atme tief durch und orientiere dich im Raum.

Trauma-Heilung mit Begleitung 

Mitgefühl mit sich selbst zu üben, heißt auch, sich Hilfe zu holen und sich begleiten zu lassen, wenn man alleine nicht weiterkommt. Der Religionsphilosoph Martin Buber hat einmal sehr richtig gesagt: “Der Mensch wird am Du zum Ich”. Wirkliches Wachstum findet erst in Begegnung mit einem Gegenüber statt. Das gilt auch für das Wachstum durch ein Trauma. Keine Methode oder Technik kann das bewirken, was man im direkten Kontakt mit einem Menschen erfährt.

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Keine Technik kann ersetzen, was ein Menschen dir geben kann

 

Ich empfehle daher, Trauma-Heilung in Begleitung mit einem Therapeuten oder Heiler zu machen. Es sollte ein Therapeut bzw. Heiler sein, bei dem du dich gut, sicher und aufgehoben fühlst. Ein Begleiter, der in seiner Vorgehensweise ausreichend Psychoedukation und Körperarbeit mit einbezieht, um dadurch auch ein besseres Erkennen der eigenen Selbstregulationsfähigkeit zu ermöglichen. Denn bei einem frühen Trauma wurde fast immer auch die Fähigkeit zur Selbstregulation beeinträchtigt.

Ein Therapeut / Heiler kann dann für eine bestimmte Zeit co-regulierend wirken; mit Empathie und in einer guten Verbindung zum Klienten kann er die elterliche Fürsorge (Reparenting) nachholen.

Trauma-Integration zur Ganzwerdung 

Beim Vorgang der Trauma-Integration geht es nicht in erster Linie darum, sich besser zu fühlen, sondern alle unterdrückten Gefühle wieder Stück für Stück zu integrieren und ganz zu werden. Es geht darum, einen reifen Umgang mit den Emotionen zu erlernen, Gefühle besser wahrzunehmen, präsent im Körper zu sein – auch mit den „unangenehmen“ Gefühlen.

Denn unterdrückte Gefühle haben uns nur dann im Griff, wenn wir nicht im Körper in unserer Mitte sind. Daher ist die Körperarbeit bei der Trauma-Heilung auch so wichtig. Am Ende ist es der Körper, welcher das Trauma heilt und uns vom Schmerz in die Freude bringt.

Nach der Trauma-Heilung 

Nach der inneren Befreiung des Schmerzes kehren manchmal auch Gefühle kindlicher Unschuld zurück. Unschuld ist ein Zustand voller Reinheit, weil nichts mehr unser Licht verdunkelt. Je mehr Befreiung wir erlangen, desto mehr nähern wir uns der kindlichen Unschuld an. Auch die Leichtigkeit und das Spielen kommen zurück. Spielen macht glücklich und wie Thich Nhat Hanh sagt:

„Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit.“

 

Ich hoffe, ich konnte mit diesem Artikel weiterhelfen. Ein Trauma zu heilen ist natürlich ein Prozess, der nicht von heute auf morgen geht. Doch wenn man sich auf den Heilungsweg begibt, geschieht auch irgendwann das Loslassen. Danach verändert sich das Leben. Nicht nur für uns, denn Gott vergeudet niemals die Schmerzen seiner Kinder: Was wir heute in uns heilen, heilen wir auch in Zukunft für die neuen Kinder.

Mit lieben Grüßen

Sylvia Römer

Mehr zu Sylvias Arbeit erfährst du auf ihrer Homepage

 

Hast du Lust auf mehr Artikel von Sylvia? Alle Beiträge findest du in ihrem Autorenprofil

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