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Vom Krebspatienten zum Menschenhelfer: Lothar und sein (weiter) Weg zur Dankbarkeit

Heute gibt es im Compassioner einen Impuls über den Weg zur Dankbarkeit von unserem  Gast-Autor Lothar Baltrusch. In der Serie “Die runde Ecke”  erzählt er hier seine berührende Geschichte wie er  vom Krebspatienten zum Menschenhelfer wurde. Er ist mit seinem Motorrad innerhalb weniger Tage ganze 15.000 Kilometer gefahren – von Dortmund nach Vietnam. Und damit direkt zu sich selbst. Ganz nach dem Motto:

Mein Weg zur Dankbarkeit 

Die Distanz von Deutschland nach Vietnam beträgt über 15.000 Kilometer. Diese Strecke bin ich 2013 mit dem Motorrad gefahren. Ein langer und kräftezehrender Weg.

Ich habe in Vietnam Huyen besucht, ein 13-jähriges vietnamesisches Mädchen, für das ich im September 2009 eine Patenschaft übernommen habe. Peter Maffay war so begeistert von der Idee, dass er Schirmherr der Aktion wurde. Doch der Reihe nach. Die Geschichte fing viel früher an…

Als ich 18 war, kam der Krebs. Hodenkrebs. Danach war ich zeugungsunfähig. Wie dumm, ich komme aus einer großen Familie mit 4 Brüdern – und wollte immer eine eigene Familie haben. Ich bekam ein zweites Mal Krebs. Auch überlebt. Ich hab als Werkzeugmacher gearbeitet. Auch überlebt.

2009 bin ich Pate von Huyen geworden. Mein World-Vision-Patenkind in Vietnam. Monatlich 30 Euro. Der Briefkontakt verdichtete sich. Bilder hin und her. Neugierige Augen auf beiden Seiten. Dann sah ich Ende 2011 die DVD ›Long way round‹. Der Auslöser für alles! Coole Männerkiste. Zwei Jungs sind in 115 Tagen satte 30.395 km um die Welt gefahren. London, Brüssel, Prag, Kiew, Almaty, Ulan Bator, Yakutsk, Anchorage, Calgary, Chicago, New York. Welch ein Mut, welch eine Inspiration.

Ich habe dann gleich meinen Kumpel Andreas angerufen: ›Sag mal Andreas – kann man mit dem Bike von Unna nach Vietnam fahren, zu meinem Patenkind?‹ Die Antwort war Ja. ›Way to Huyen‹ war geboren.

Auf dem Weg zum Aufbruch dahin gab es verdammt viele Neider. Der Tenor: ›Baltrusch finanziert sich eine Urlaubsreise auf dem Rücken armer Kinder‹. Anfangs hat mich das unfassbar traurig gemacht – später kam das Prinzip Lothar wieder in mir hoch: einfach weitermachen. Machen statt Quatschen. Dabei habe ich viele Unterstützer gefunden.

Mittlerweile kamen für die Kinder in Vietnam über 100.000 Euro zusammen. NATÜRLICH hab ich auch meine erste Reise komplett alleine und aus eigener Tasche finanziert.

Was das alles mit mir macht, möchtest du sicher wissen. Ja, eine gute Frage. Es hat meine Einstellung zum Materiellen und Humanitären geändert. Es ist nicht mehr wichtig, den Kühlschrank voll, 20 Jeans im weg-zur-dankbarkeitSchrank oder ein schickes Auto zu haben. Ich habe Menschen getroffen, die hatten nur das, was sie anhatten, und wussten nicht, wie sie den nächsten Tag überleben. Zum Beispiel die Müllkinder in Ulan Bator. Im Winter leben sie unter der Straße in der Kanalisation, der einzige Ort, der Wärme verspricht. Sie leben von dem, was die anderen wegschmeißen – die Müllkippe ist ihr Zuhause und ihr Arbeitsplatz. Der neunjährige Munkhzorig sagte zu mir: ›Lieber hier etwas finden und verkaufen, als anderen Menschen was klauen.‹

Auf der Fahrt hatte ich eine Tasche mit Sportsachen dabei. Der Junge bekam Turnschuhe, dem Vater gab ich drei dicke Trikots. Er bedankte sich mit Worten, die ich nicht verstand, er nahm meine Hände und küsste sie – mehrfach.

Ich habe auf der Reise nach Vietnam, meinem Weg zur Dankbarkeit im Staub gepennt, bin hungrig ins Bett gegangen und hungrig aufgestanden. Ich bin jeden Tag 500 bis 600 km Bike gefahren und habe mehrgängige Menüs von silbernen Tellern gegessen. Tagelang habe ich nicht geduscht und habe mir danach in einem Luxushotel mit Coco Chanel Creme meinen Hintern eingerieben – nach dem Baden in der goldenen Wanne. Ich weiß nun mehr denn je, was ich wirklich brauche. Eine Handvoll Essen, eine Familie, Freunde und die Zuversicht, dass morgen die Sonne aufgeht.

Ich kenne jetzt den Unterschied zwischen unsinnigem Reichtum und den verzagten Augen armer Menschen. Leider kann man diese Fallhöhe nicht ansatzweise in Worte fassen. Doch ich bin so dankbar, diese Tiefen und Höhen erfahren zu haben. DAS alles wird mein zukünftiges Leben ausmachen.

Von Chu, unserem Reisebegleiter in China, habe ich einen Satz gehört, der mich sehr beeindruckt hat: ›Mao ging den langen Marsch, von 1935 bis 1936. Er durchquerte dabei sein China und sagte danach: Ein kleines Feuer kann eine ganze Grassteppe anzünden.‹ Ich habe lange über diesen Satz nachgedacht.«

Übrigens: Die Geschichte zu Lothars Reise findest du unter https://youtu.be/0Z_Kuk1HJ80 auch als Video.

Alle Infos zur humanitären Arbeit von Lothar findest du unter http://www.lotharbaltrusch.de/. Und hier geht es direkt zu ihrem sehr packenden und berührenden Hörbuch: http://amzn.to/2tO1IHY

 

Wenn dich das Thema Dankbarkeit interessiert, dann solltest du die dieses Video nicht entgehen lassen: 

Im Video: Dieser Mönch zeigt dir, warum wahres Glück Dankbarkeit bedeutet

 

 

Wir freuen uns über einen Kommentar 😉

 

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