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Warum Authentizität alleine nicht reicht

Authentizität ist ein hoher Anspruch. Vor allem von Menschen in verantwortungsvollen Positionen wird immer wieder gefordert, authentisches Vorbild zu sein. Auch im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung ist Authentizität ein häufig angestrebter Wert. 

Aber: wollen wir wirklich, dass wir und andere immer und überall authentisch sind?

Ist Authentizität unter allen Umständen hilfreich und ratsam? Und wie vertragen sich Authentizität und Professionalität?

Wie so oft macht es Sinn, zu klären, was genau unter einem Begriff verstanden werden soll, um nicht aneinander vorbei zu denken oder zu reden.

Authentisch sein – was heißt das eigentlich genau?

AuthentizitaetWie stellen wir uns beispielsweise eine authentische Führungskraft vor? Schnell fallen uns dann verwandte Begriffe ein wie Echtheit, Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und Glaubwürdigkeit.

Authentische Menschen strahlen Vertrauenswürdigkeit und Verlässlichkeit aus. Man kann sich an ihnen orientieren und sich auf ihre Aussagen beziehen. Sie täuschen nichts vor und man weiß, woran man mit ihnen ist. 

Im Extremfall auch dann, wenn man es eigentlich gar nicht so genau wissen möchte.

Denn radikale Authentizität kann auch kippen:

In schonungslose Ehrlichkeit, in ungefragtes Feedback, in impulsive Emotionalität, in harsche Ausdrucksweise, in taktlose Direktheit. 

Und nicht nur die Empfänger*innen haben daran zu knabbern: Auch taktisch unkluge Aussagen über uns selbst können das Ergebnis einer übertriebenen Authentizität sein. Zum Beispiel dann, wenn sie in naive Offenheit münden, bei der wir unser Herz auf der Zunge tragen und allzu Persönliches voreilig oder bei unpassender Gelegenheit preisgeben. 

Von Verantwortungsträger*innen werden neben Authentizität aber auch Eigenschaften erwartet, die ihr teilweise entgegenstehen. Man geht selbstverständlich davon aus, dass sie anderen gegenüber Vertrauliches so lange verschweigen, bis es spruchreif ist.

Oder dass sie Mitarbeitenden selbst dann wertschätzend begegnen, wenn das Blut in Wallung gerät, weil diese gerade wiederholt denselben Fehler gemacht haben. Dass sie Kunden freundlich behandeln, auch wenn sie nerven.

Authentizität also doch nicht um jeden Preis und auf jeden Fall? 

Unternehmen suchen mittlerweile weniger nach möglichst authentischen Menschen, sondern nach reifen Persönlichkeiten. Was ist mit Reife gemeint? Reife Persönlichkeiten lassen sich in ihrem Handeln nicht ausschließlich davon leiten, was sie selbst als stimmig und angemessen empfinden.

Sie sind darüber hinaus in der Lage, auch die Stimmigkeit in Bezug auf den jeweiligen Kontext zu ermessen und ihr Handeln den Erfordernissen der jeweiligen Situation anzupassen, ohne sich dabei zu verbiegen. Sie sind sich bewusst, dass jedes Verhalten – gewollt oder ungewollt – eine bestimmte (Wechsel-)Wirkung erzielt und sie übernehmen für diese Wirkung Verantwortung.

Sie wissen: die Folgekosten von bedingungsloser Authentizität übersteigen bisweilen den erzielten Nutzen um ein Vielfaches.

In den sozialen Medien bliebe uns so mancher Shitstorm erspart, wenn Menschen ihre Authentizität soweit dosieren könnten, dass sie nicht unter die Gürtellinie rutscht.

Authentizität braucht also eine weitere Qualität an ihrer Seite, um reifes Handeln zu ermöglichen. Der Kommunikationspsychologe Friedemann Schulz von Thun bezeichnet solche benachbarte Qualitäten als „Schwestertugenden“. Flexibilität und Ausgewogenheit sind nur dann möglich, wenn uns beide Tugenden als Optionen zur Verfügung stehen.

Welche ergänzende „Schwestertugend“ bräuchte die Authentizität?

Damit man nicht abdriftet in eine schonungslose Offenheit oder naive Redseligkeit?

Nun, beispielsweise ein gewisses Taktgefühl, eine professionelle Konstruktivität oder diplomatisches Geschick, welches verhindert, ständig mit der Tür ins Haus zu fallen.

Selbstverständlich darf auch diese „Schwestertugend“ nicht übertrieben werden, sonst würde vielleicht manipulatives Taktieren oder opportunistisches Verbiegen daraus („ich sage nur noch, was gut ankommt“). Oder es bliebe nichts weiter als eine gekünstelte Fassade übrig, ohne dass der Mensch dahinter jemals wirklich zu erfassen wäre.

authentisch-autentizitaetSind wir also zu einseitig festgelegt, dann erfährt eine Qualität oder Stärke eine Überbetonung und bekommt Schlagseite. Sie kippt und wird zu dem, was andere an uns als Schwäche kritisieren.

Eigenschaften werden erst innerhalb des jeweiligen Kontextes als Stärken oder Schwächen wahrgenommen. Was in einer Situation erfolgversprechend ist, kann in der nächsten genau das Gegenteil bewirken.

Sind wir in einem zu engen Verhaltenskorsett gefangen, dann sind wir davon abhängig, dass immer dieselben Rahmenbedingungen herrschen, damit unsere Einseitigkeit nicht negativ auffällt.

Deshalb tun wir Menschen uns auch mit Veränderungen so schwer: es besteht die Gefahr, dass nun Qualitäten von uns verlangt werden, die noch wenig ausgeprägt sind. Oder dass unsere bisherigen Stärken unter geänderten Bedingungen eher als Schwächen gelten. 

Persönliche Reife resultiert aus der Fähigkeit, gegensätzliche Pole immer wieder dynamisch auszubalancieren und angemessen zu handeln

Und das in Übereinstimmung mit den eigenen Werten und der jeweiligen Situation. Es geht nicht darum, Werte zu verraten, sondern vielseitiger darin zu werden, auf welche Art und Weise wir ihnen Ausdruck verleihen.

Und es geht um die Fähigkeit, Gegensätze integrieren zu können, indem wir sie differenziert betrachten, statt einfach nur dagegen zu kämpfen: 

Es gilt das Gute darin zu bewahren und das „Zuviel“ abzumildern.

Das Spannungsfeld zwischen Gegensätzen aushalten zu können, ist eine echte Kunst. Nicht umsonst ist dies häufig Thema von Entwicklungs-Coaching, welches darauf abzielt, Perspektiven und Handlungsspielräume zu erweitern und mit inneren und äußeren Ambivalenzen leben zu lernen. „Entweder-oder“ ist zwar einfacher, aber eben nur schwarz oder weiß und spaltet gerne in Freund oder Feind.

“Sowohl-als-auch“ macht das Leben deutlich anspruchsvoller und oft auch unbequem, aber wenn es gelingt, dann ermöglicht es ein buntes Neben- und Miteinander.

Herzlich, Katja Lutz-Deklerk

Coaching und Training für achtsame (Selbst-)Führung

Kontakt: katja@lutz-deklerk.de

Kleine Achtsamkeitsfragen für dich:

  • Was bedeuten Authentizität und Reife für dich persönlich?
  • Welche inneren oder äußeren Gegensätze erzeugen gerade Spannung in deinem Leben?
  • Gibt es etwas, das du gerade zu einseitig betonst, so dass es des Guten zu viel ist?

 

Du bist auf der Suche nach Menschen, denen ihre Werte und Selbstbestimmung auch wichtig sind? Hier wirst du fündig:

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