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Warum Hochsensible zu wenig fühlen

Wenig fühlen ist für die meisten Hochsensiblen oft ein Zustand, den sie anstreben, um ihre Umwelt gut aushalten zu können.

Der Klassiker in meinen Gruppen sind Gespräche darüber, wie man sich als hochsensibler/hochsensitiver Mensch vor den vielen Reizen schützen kann, die auf unser Nervenkostüm einströmen. „Ich krieg ja alles mit“ formulieren  Menschen ihre Feinspürigkeit. Jede Schwingung des Gegenübers, jeder Missklang im Kollegium, jede noch so kleine Verstimmung des Ehemanns wird registriert, inhaliert und macht manchem oder mancher Hochsensiblen das Leben schwer.

Die uns umgebenden Menschen mit all ihren Emotionen können so regelrecht zur Bedrohung werden, zur Bedrohung des inneren Friedens des Hochsensiblen, der sich vor den Gefühlen anderer nicht schützen kann.

Wer kennt nicht den Wunsch, einfach mal Ruhe zu haben? 

Und nicht so empfänglich für jeden Missklang zu sein, der uns anweht?

Sehr nachvollziehbar ist das Bedürfnis nach Abgrenzung und Schutz vor all diesen Einflüssen, wenig-fuehlen-1die uns mehr berühren als uns lieb ist. Aber ist das wirklich der beste Weg? Rückzug kann kurzfristig Entlastung bringen und hilft sicher, Ordnung in die Empfindungen zu bringen. Doch kommt andererseits wenn wir uns zurückziehen unser Bedürfnis nach Kontakt und wohltuender Nähe zu kurz.

In dem Bemühen uns zu schützen erzeugen wir an anderer Stelle ein Vakuum, das uns hungrig zurücklässt. Denn die meisten Hochsensiblen sind sehr kontaktfreudige und menschenwarme Wesen.

Wenn wir davon ausgehen, dass es nicht unser naturgegebenes Schicksal ist, an irgendeiner Stelle zu leiden – entweder unter der Reizüberflutung oder unter Kontaktmangel – dann muss es einen Weg geben, mit den Reizen, die aus der Umgebung auf uns einströmen, besser umzugehen.

Dazu möchte ich dir meine Selbstbeobachtungen der letzten Jahre schildern:

Ich stelle fest, dass ich innerhalb weniger Jahre einen großen Wandel in der Reizverarbeitung durchlaufen habe. Früher konnte mich jede unfreundliche Kassiererin aus der Bahn werfen wenig-fuehlen-selbstund nachhaltig verstört zurücklassen. Dreck, Krach und Elend, das mir an einem bestimmten Ort auf meiner Einkaufsroute regelmäßig begegnen, schwächten mich körperlich so sehr, dass ich mich hinterher oft richtig elend fühlte. Ich empfand mich phasenweise wie eine gehäutete Nacktschnecke, schutz- und grenzlos allen Einflüssen ausgesetzt.

Heute ist das anders. Ich setze mich heute viel stärkeren Reizen aus, bin mit mehr Menschen zusammen und überstehe die Flut an Reizen unbeschadet. Es ist, als würden die Einflüsse einfach nicht mehr bei mir hängenbleiben. 

Was ist da passiert?

Lass mich dazu einmal beschreiben, was passiert, wenn wir Emotionen „aufschnappen“: Wir gleichen etwas, das von außen kommt mit etwas ab, das bereits in uns ist, in unserem Fall ist wenig-fuehlen-2das eine emotionale Qualität. Wir gehen in Resonanz. Kollegin X kommt mit Liebeskummer ins Büro und wir empfangen Signale von Traurigkeit, für die wir sofort die passende Abteilung in unserem emotionalen Lager haben.

Diese Schublade mit den eigenen Erfahrungen zurückgewiesener Liebe springt sofort auf und ergießt ihren Inhalt. Es ist nicht wirklich die Kollegin, die uns ihre Emotionen „schickt“. Sie stellt sich uns nur als Auslöser für eigene emotionale Erfahrung zur Verfügung.

Ein Mensch, der in einer Stimmung ist, für die wir gar keine Referenzerfahrung haben, würde uns nicht im gleichen Maße triggern, sondern allenfalls etwas ratlos machen. Da aber unser emotionales Lager recht gut bestückt ist, springen wir auf viele Gefühlslagen in unserem Umfeld sehr schnell an.

Wie kann man damit nun umgehen?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass eine echte (nachhaltige) Veränderung dadurch eingetreten ist, dass ich mich meinen Gefühlen gestellt habe. Ich habe aufgehört mich gegen sie zu wehren. Das war kein Geschehen von heute auf morgen, sondern ein langer Prozess des Erforschens und der Auseinandersetzung mit meiner Innenwelt.

In dem Maße, wie ich mich meinen alten schmerzhaften Gefühlen gestellt und sie noch einmal durchgefühlt habe, konnte sich der schmerzhafte Anteil daran verabschieden. Und in dem Maße, wie die schmerzhafte Belastung wegfiel, hat mich auch der Auslöser nicht mehr angepiekst. Ich merke, dass ich heute in Situationen entspannt gelassen bleibe, dich mich früher verkrampft in den Rückzug getrieben hätten.

Das Wesentlich an der Sache ist, die Emotionen wirklich zu fühlen und nicht nur möglichst wenig fühlen. Sondern mit allem Drum und Dran. Ich sehe bei meinen Klienten, dass sie in dem Versuch, sich vor belastenden Gefühlen zu schützen, mit ihrer Wahrnehmung mehr im Außen bleiben. Sie fühlen etwas, und wenn dies unangenehm ist, setzt ein automatischer Abwehrprozess ein: Sie denken über das Ereignis nach, machen sich Vorwürfe, gehen in die Grübelschleife, wie und warum und was wäre anders, wenn sie anders wären…

Auf diese Weise verhindern sie echte – eigene – Gefühle. Sie lassen den Schmerz der Ursprungserfahrung nicht wirklich an sich heran. Wenig fühlen ist ein Vermeidungsverhalten, das echte Aussöhnung verhindert. Wenn wir beginnen zu fühlen, alle Gefühle die gerade da sind, wenn wir uns unseren Verletzungen liebevoll zuwenden, so wie wir es mit einem Kind tun würden, wenn wir es aushalten, dass es noch einmal schmerzt, dann können wir die Erfahrung machen, dass der Schmerz sich von selbst verabschiedet. Dass er einfach geht. Ich möchte deshalb sagen: Hochsensible müssen mehr fühlen. Sie sollten das, was sich da tatsächlich in ihnen meldet voll umfänglich an sich heranlassen.

Ja, es tut weh und ja, es heilt

Meine Empfehlung ist, dass du dir jeden Tag eine Fühlzeit einrichtest, in der du dir beim   
Fühlen zuschaust. Nichts machen, nur schauen, was da ist und sich zeigen will. Du kannst dich fragen: „Was fühle ich gerade wirklich?“ Wenn du nicht so geübt darin bist, wirst du vermutlich immer wieder zwischendurch ins Nachdenken über die Gefühle kommen.

(Ich habe lange Zeit meine Gefühl gedacht, statt sie wirklich zu fühlen. Es war so wie ein Masterplan, welches Gefühl ich jetzt gerade fühlen sollte.) Ins Nachdenken zu kommen ist normal. Versuche einfach es mitzukriegen und wieder zur Wahrnehmung zurückzukehren: „Was fühle ich gerade wirklich?“

Wenn du das am Ende des Tages machst, bietet es sich an, sich die Emotionen anzusehen und durchzufühlen, die sich im Laufe des Tages bei dir angesammelt haben. Vielleicht ärgerst du dich. Fühl deinen Ärger und schau, ob da noch mehr kommt. Bei größeren Themen gibt es häufig mehrere emotionale Schichten an verschiedenen Gefühlsqualitäten: Wut, darunter Hilflosigkeit, Traurigkeit, Scham usw. Lass dich durchsinken durch jede Schicht.

Wer dies lieber begleitet tun möchte, findet in der Introvision eine wunderbare Methode, emotionale Belastungen zu lösen. Hier wird der Prozess angeleitet, was besonders zu Beginn sehr hilfreich sein kann.

Das Ergebnis von jedem einzelnen Befreiungsschritt ist, dass Themen, die geheilt sind, keine Angriffsfläche mehr bieten. Das bedeutet, dass du wesentlich reizgelassener durchs Leben gehst, weil die Stressoren in deinem Inneren nicht mehr vorhanden sind.

Ich wünsche dir viele heilsame Erfahrungen! Bei Bedarf bin ich gerne für dich da.

Herzlichst

Barbara Grebe

http://www.grebecoaching.de

 


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