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Was stört dich an deinem Partner?

Sehr oft kommen Menschen in die Paartherapie zu mir, denen Verhaltensweisen seines*r Partner  nicht mehr gefallen, die darunter leiden und am liebsten weglaufen würden. Denen die Verhaltensweisen nie gefallen haben, nicht mehr gefallen oder neu nicht gefallen. Und die seit geraumer Zeit versuchen, ihren Partner zu ändern. Meist mit wenig Erfolg.

Aber erfolgreich in eine Unglücklichkeits-Spirale einsteigen, gerade weil die Veränderungsbemühungen nicht fruchten. Vielleicht lange dazu geschwiegen haben. Den Frust in sich hineingefressen, bis irgendwann der Bauch mal so voll ist, dass nichts Neues mehr hinein passt. Willkommen im Club!

Und daraus abgeleitet die bange Frage…

Kann ich einen anderen Menschen – meinen Partner – verändern?

Die Antwort auf die Frage nach dem kann, gleich vorweg: Jein! Ja, wenn der andere sich verändern möchte, einen Sinn in seiner Verhaltensveränderung sieht. Und ein klares Nein dann, wenn er das nicht möchte.

Dann beiße ich mir die Zähne aus und befeuere ein Spiel, das ich “Erziehungsspiele in der Paarwelt” nenne. Und die gibt es auf vielen Themenfeldern – begonnen beim Stichwort Angstvermeidung über Pünktlichkeit bis hin zum Stichwort Sexualität. Und alles dazwischen.

Bei allem Starren auf das Verhalten des Partners, das mir auf den Wecker geht, geht oft die eine Frage unter: Warum will ich das denn überhaupt? Ja, im Ernst. Denn oft stecken da enttäuschte Erwartungen dahinter oder eine generelle Enttäuschung: Mein Partner war und ist nicht so, wie ich ihn mir erträumt und vorgestellt habe.

Und oft geht es auch um die Angst vor Unterschiedlichkeit. Beziehungsweise am anderen Ende um den Wunsch nach Einheit und Symbiose. Nur – wir Menschen sind unterschiedlich, weil wir unterschiedliche Menschen sind. Und ich kann auch – mit genügend Selbstsicherheit und Selbstwert – mit diesem Unterschied gut leben. Er, der Unterschied, kann stark machen und sich mit meiner Unterschiedlichkeit ergänzen.

Mein Partner war schon immer so!

Doch zurück zu meinem Partner*in: Zeigt sie/er sein Verhalten schon von Anfang an, dann hatte ich vielleicht den Glauben, dass ich es über die Zeit hinweg schon schaffen werde, ihn so zurecht zu biegen, wie ich mir vorgestellt habe. „Wenn sie/er mich liebt, dann wird er sich mit der Zeit schon ändern und anpassen“. Dabei habe ich in mir in der Zwischenzeit ziemlich viel Frust aufgestaut.

Weil ich wie das Eselchen bei Sancho Panza & Don Quijote hinter einer Karotte hergelaufen bin, die es nie gab. Die Frage ist, warum ich mir was vorgestellt habe, was offensichtlich jeder Realität entbehrt und welche Beziehungsdynamik ich dabei vielleicht reinszeniere. Eventuell die meiner Eltern? Die das schon seit 40 Jahren so machen. Und wir Kinder seit 40 Jahren darüber den Kopf schütteln und die Augen verdrehen.

Mein Partner hat sich im Lauf der Zeit so stark verändert!

Wenn sich ein Partner über eine lange Zeit hinweg so verändert hat, dass ich es nicht mag, dann stellt sich die Frage, ob ich mir – als ich sein unerwünschtes Verhalten zum ersten Mal entdeckt habe – vielleicht gedacht habe, das gibt sich schon wieder.

Bayerisches „Passt scho“. Und es versäumt habe, rechtzeitig meine Anmerkungen dazu zu machen, ihn zu einem Gespräch darüber einzuladen. Das ist dann wie bei der Hundeerziehung: Wenn ich meinem Hund von Anbeginn an etwas durchgehen lasse, dann tue ich mir sehr schwer, ihn nach fünf Jahren davon zu überzeugen, dass es jetzt reicht, und er gefälligst anders zu sein hat.

Ich habe mir dann vielleicht nicht genügend Zeit genommen, mir immer mal wieder mit meinem Partner zusammen stehen zu bleiben, durchzuatmen und zu schauen, wo wir denn gerade stehen. Als Mann, als Frau, als Partner. Dazu gehört der Mut, die eigene Beziehung immer wieder neu anzuschauen, vielleicht auch mit dem Ergebnis, dass ich sehe, dass ich eine Schieflage habe und auf dieser Basis mir und meinem Partner neu begegnen kann.

Und – wir Menschen ändern uns, manchmal täglich. Aber bestimmt von Jahr zu Jahr. Nichts ist so unausweichlich wie die Veränderung. Nur wir Menschen versuchen immer wieder, das Alte und Bekannte festzuhalten. Weil es Sicherheit gibt. Und da, wo wir Sicherheit haben, da brauchen wir weniger Angst zu haben. Einfaches Spiel.

Nur – wer gibt schon gerne zu, dass er Angst hat. Vor allem als erwachsener Mensch. Und manchmal geht es vor allem um die Angst: Angst vor dem Alleinsein, Angst vor der Aus-Einander-Setzung mit dem Du.

Mein Partner zeigt seit kurzem neue Verhaltensweisen

Und wenn mir Verhaltensdrolligkeiten meines Partners ganz neu nicht gefallen. Ja, dann hab ich die unbeschreibliche Chance, jetzt und sofort mit ihm darüber zu reden – „Du, mir ist aufgefallen, dass…“ und „das macht bei mir ….“. Um damit in einen neuen Dialog einzusteigen. Vielleicht gemeinsam wachsen zu können an den veränderten Bedürfnissen, sich und die Beziehung neu zu justieren und zu schauen, wohin der partnerschaftliche Weg denn jetzt gehen kann.

Das erfordert aber Mut. Mut, sich zu zeigen und Mut, dem anderen liebevoll zu sagen, dass ein gezeigtes Verhalten nicht so gut ankommt und eventuell verletzt. Gemeinsam zu schauen, warum das Verhalten denn ausgeprägt wird. Und hier habe ich für mich einen Glaubenssatz: Jedes Verhalten macht Sinn, sonst prägen wir es nicht aus. Aber – es kommt auf den Kontext an und auf das Warum? Und das zu ergründen, das ist spannende Paararbeit. Immer wieder.

Immer wieder auf den Boden zurück

Bei aller Unterschiedlichkeit: Wir können einen Menschen nicht klonen, so dass er so ist, wie ich selbst, denn vor mir habe ich in den meisten Fällen am wenigsten Angst. Deshalb muss ich mit der Unterschiedlichkeit leben, zurechtkommen, an ihr wachsen und ständig durch sie lernen. Aber – bei allem Blick auf das, was trennt, gibt es bei Paaren auch viele Dinge, die verbinden. Die, die Partnerschaft tragen und die ihr Sicherheit geben. Wir sind bei deinen Werten angelangt, auf die die Partnerschaft gründet.

Wenn ich mir eine einfache Gleichung auf ein Stück Papier male, vielleicht sogar mit einer Priorisierung drauf:

Was ist mir denn an einer Partnerschaft generell und an meiner Partnerschaft speziell wichtig? Was hat mich denn durch schwere Zeiten getragen? Auf was kann ich mich verlassen? Wofür muss ich selbst sorgen – als erwachsener Mensch?

Und was bekomme ich von meinem Partner quasi als „Sahnehäubchen“ oben drauf? Wie sieht denn dann die Waagschale aus? Große Schieflage oder nur kleine Schieflage?

Ich stelle diese Frage sehr bewusst. Bewusst deshalb, weil ich weiß, dass unser Gehirn auch Katastrophen-Hirn genannt werden kann – genetisch sind wir eher darauf gepolt, Negatives und Gefährliches eher zu entdecken.

Das hat unsere Spezies bisher gerettet. Nachteil: Wo ich mich eher darauf fokussiere, fällt das Positive und Gute eher runter, verschwindet aus dem Blickfeld. Deshalb lohnt manchmal ein sachlicher Blick auf die oben angedachte Gleichung.

Dein,

Volker Hepp

Beziehungscoach

www.volkerhepp.com

 

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