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Titel-Schmerz

Wege in den Schmerz und wieder hinaus

Warum bei chronischem Schmerz nicht immer der Arzt der richtige Ansprechpartner sein muss, und wie man sich selber mit seinen körperlichen Schmerzen auseinandersetzen kann, damit natürliche Linderung möglich wird.

Der Anästhesit, Enno Vattig schreibt hier aus seinen Erfahrungen, die er täglich mit vielen Patienten macht.  Weiter unten findest du noch drei hilfreiche Tipps, wie du dir mit chronischen Schmerzen selber helfen kannst.

…………

Wir streben mehr danach, Schmerz zu vermeiden, als Freude zu gewinnen. (Sigmund Freud)

“Ein Indianer kennt keinen Schmerz.” Viele von uns sind mit diesem Satz aufgewachsen. Vornehmlich der männliche Nachwuchs wurde immer wieder darauf hingewiesen, dass eine emotionale Reaktion auf Schmerzen nicht in Ordnung sei.

Meine Großmutter sagte selbst, wenn man sie auf ihr schmerzendes Hüftgelenk ansprach: “Über Schmerzen spricht man nicht.” Und in der Tat ist es heute immer noch so, dass der Schmerz in unserer funktionalen Gesellschaft keinen Platz hat, bzw. haben darf. 

Was ist denn Schmerz? 

Die internationale Gesellschaft zur Erforschung des Schmerzes (IASP= International Association for the Study of Pain) definiert Schmerz als eine unangenehmes Sinnes- oder Gefühlserlebnis, das mit tatsächlicher oder möglicher Gewebeschädigung verbunden ist oder mit Begriffen einer solchen beschrieben wird.

Margo McCaffery hat es 1997 so geschrieben: 

Schmerz ist, was der Patient sagt, und er existiert, wann immer er es sagt.

Beide Definitionen bringen zum Ausdruck, dass Schmerz zunächst eine subjektive Empfindung ist, und dass er auch ohne nachweisbaren körperlichen Schaden existieren kann. Genau hier beginnen so manche Spannungen und Missverständnisse im Arzt-Patienten-Verhältnis. 

Auf der einen Seite sind einige Schulmediziner*innen der Ansicht, ohne körperlichen Befund seien die Symptome nicht „echt“ und von daher „nur ausgedacht“, was natürlich nicht zu einem konstruktiven Gespräch führen kann. Der vermeintliche Simulant wird durch das Fehlen eines körperlichen Schadens indirekt der vermeintlichen Lüge überführt. 

Auf der anderen Seite fällt es Patient*innen oft selbst schwer, ihre Schmerzen zu beschreiben, sowohl in der Schmerzqualität (dumpf, drückend, ziehend, stechend, usw.) als auch in der Schmerzstärke (Auf einer Skala von 1-10 eher so 5… glaube ich, also manchmal…). Hier ist das subjektive Empfinden manchmal nur schwer in Zahlen zu fassen.

Abgesehen davon sehen sich einige Patient*innen selbst als unglaubwürdig an, wenn sie aufrecht in die Praxis kommen und ohne Schmerzensschreie oder Grimassen ihre Schmerzstärke als 10 von 10 angeben. 

Wie kommt das?

schmerz-1Es gibt zwei Arten von Schmerz. Dies ist den meisten bekannt. Jeder kennt den akuten Schmerz, wenn man sich mit dem Küchenmesser schneidet oder den (erstaunlicherweise fast ausnahmslos) kleinen Zeh am Schrank stösst.

Dieser Schmerz hat eine überlebenswichtige Funktion: Er warnt uns vor einer Schädigung des Körpers und lässt uns unwillkürlich den verletzen Körperteil schonen.

Wenn Schmerzen jedoch jeden Tag an der gleichen Stelle auftauchen und nichts unternommen wird (oder werden kann) um diese zu beseitigen, dann sprechen wir nach einem Zeitraum von 3-6 Monaten von chronischen Schmerzen. Hier liegt oft keine Warnfunktion mehr vor, und damit hat der Schmerz seine ursprüngliche Funktion eingebüßt. 

Warum ist diese Unterscheidung wichtig?

Die Schmerzverarbeitung selbst und der Ort der Schmerzverarbeitung im Hirn verändert sich. Dies ist keineswegs banal, sondern gibt uns viele Hinweise auf die möglichen Symptome und Therapien der einzelnen Schmerzarten.

Während der akute Schmerz z.B. in seiner Intensität nachlässt und gut durch „klassische“ Schmerzmittel wie Ibuprofen, Paracetamol und Opiate (Morphin usw. ) gut zu behandeln ist, sieht es beim chronischen Schmerz anders aus.

Hier „verschiebt sich“ die Schmerzverarbeitung in Bereiche des Hirns, die auch z.B. bei posttraumatischen Belastungsstörungen aktiv sind. Die oben genannten Schmerzmittel wirken deshalb hier nur eingeschränkt. 

Beim akuten Schmerz steht das Schmerzempfinden im Vordergrund, beim chronischen Schmerz sind es z.B. Ärger, Wut und Trauer, also die emotionale Bewertung der Schmerzen. 

Was führt zu chronischen Schmerzen?

Darüber sind endlos viele Forschungsberichte, Doktorarbeiten und ähnliches verfasst worden. Es scheint verschiedene Risikofaktoren für die sogenannte Chronifizierung zu geben:  Ein lang andauernder starker Schmerz, Traumata (nicht nur körperliche), posttraumatischen Belastungsstörungen, ungünstige Bewältigungsstrategien und Überlastung oder Unterforderung am Arbeitsplatz. 

Falls dir die Formulierung ungünstige Bewältigungsstrategien nichts sagt, diese meint den persönlichen Umgang mit den Schmerzen. Verdrängst du ihre Existenz, bist du wütend auf die Schmerzen oder glaubst du vielleicht, dass du durch ein Fehlverhalten oder eine „Sünde“ die Schmerzen verdient hast, dann ist eine Chronifizierung wahrscheinlicher. 

Unter den Erklärungsmodellen für die Zusammenhänge bei der Entwicklung von chronischen Schmerzen hat sich in der Schmerztherapie das sogenannte Bio-Psycho-Soziale Modell etabliert. 

Hier ein Beispiel:

Bio meint den körperlichen Teil, also z.B. einen Bandscheibenvorfall.

Psychisch wäre in diesem Fall z.B. die Angst vor weiteren Schmerzen.

Dadurch entsteht eine permanente Schonhaltung und das führt zum sozialen Aspekt, weil man sich vielleicht von Aktivitäten mit Freunden und Familie zurückzieht oder wegen der Schmerzen seiner Arbeit nicht mehr nachgehen kann.

Wie häufig kommt das vor?

Wir gehen davon aus, dass ca. 11 Millionen Menschen an irgendeiner Form von chronischen Schmerzen leiden, von denen mindestens 600.000 akuten Behandlungsbedarf haben. Dennoch beträgt die durchschnittliche Wartezeit auf einen Termin beim Schmerzspezialisten ca. 3,5 Monate.

Was ist mit Medikamenten?

Schmerzen-painDie Marktprognosen für 2018 gehen von einem Umsatz von ca. 570 Millionen € bei den frei verkäuflichen Schmerzmitteln aus. Das entspricht etwa 150 Millionen Packungen. Davon entfallen inzwischen 20% auf Online-Bestellungen.

Es gibt also auf der einen Seite offensichtlich einen Bedarf, auf der anderen Seite aber auch einen immensen Profit. Wenn du magst, kannst du ja mal in der Werbung mitzählen, wie häufig Schmerzmittel innerhalb von ein oder zwei Stunden beworben werden.

Wir wissen inzwischen, dass der Gebrauch von Schmerzmitteln manchmal sehr unkritisch gehandhabt wird.

Aber  die medikamentöse Schmerztherapie ist keine Selbstverständlichkeit, sondern hier kommt es gerade bei komplexeren Krankheitsverläufen auf die Erfahrung des Arztes an.

Was oder wer kann helfen?

Der Satz: „Wer heilt, hat Recht.“ ist verlockend und prägnant, jedoch hat der ein oder die andere sich bestimmt schon einmal mit dem bloßen „Recht haben“ kritisch auseinandergesetzt.

Zunächst ist es wichtig, dass eine Heilung nicht immer möglich ist. Eine Linderung hingegen ist in vielen Fällen möglich, und ich finde es sehr wichtig, hier nicht von sich auf andere zu schließen und umgekehrt. 

Das Erleben, Bewältigen und Bewerten von Schmerzen ist höchst subjektiv. Wir wissen, dass manche Patient*innen schon durch eine Spritze eine Schmerzlinderung erfahren, egal ob eine Medikament oder Wasser gespritzt wird.

Es gibt sehr gute Ergebnisse mit psychosomatischen Therapieverfahren. Es gibt erfahrene Homöopath*innen, Heilpraktiker*innen, Osteopath*innen, Physiotherapeut*innen, Ergotherapeut*innen usw. mit guten Therapieresultaten. Es gibt auch einfach positive Veränderungen im Privatleben, die Schmerzen lindern können.

Meiner Erfahrung nach ist ein wichtiger Schritt getan, wenn der/die Schmerzpatient/in fragt: „Was kann ICH selber tun?“ Und diese Frage nicht nur an den Therapeuten/die Therapeutin, sondern auch an sich selbst stellt. Denn ich beobachte leider zunehmend, dass die Verantwortung für Heilung/Linderung von den Patient*innen an die Therapeut*innen abgegeben werden möchte. 

Schmerztherapie besteht heute aus viel mehr als Spritzen und Pillen, und es macht große Freude, wenn es tatsächlich gelingt, Schmerzen zu lindern oder sogar zu ganz zu nehmen.

Enno Vattig

Anästhesie/Intensivmedizin/Notfallmedizin

 

Hier noch drei effektive Maßnahmen, die dir helfen können, deine körperliche Schmerzen selber zu lindern:

1: Vermeide das Negative

Versuche deine innere Einstellung und deinen Geist auf das Gute und Positive zu fokussieren. Denn bei der Entstehung und Aufrechterhaltung von chronischen Schmerzen tragen emotionale und körperliche Spannungen wesentlich zu einer Verstärkung der Schmerzen bei, indem sie zu einer negativen Spirale aus emotionalem Stress (Ängste, Sorgen), körperlichen Spannungen und Schmerzen führen, welche wiederum die emotionale Belastung verstärken und damit auch die Schmerzen. Genau hier setzen die ersten beiden Empfehlungen an.

2. Enstpannungsmethoden finden

Wie z.B

3. Bauch-Atmung

Für chronische Schmerzpatienten hat sich auch die Vermittlung der Bauch-Atmung, auch Zwerchfell-Atmung genannt, als sehr hilfreich erwiesen.

Zum Erlernen der Bauch-Atmung lege eine Hand auf den Oberbauch und atme langsam ein. Beim Einatmen sollte sich die Hand heben und beim Ausatmen wieder senken. So kann man sehr leicht überprüfen, ob man richtig atmet.

Die Atmung sollte in folgendem Rhythmus erfolgen:

  • 4 Sekunden lang einatmen
  • dann 4 Sekunden lang den Atem eingeatmet halten
  • 4 Sekunden lang ausatmen
  • dann 4 Sekunden lang den Atem ausgeatmet anhalten

 


 

Hier gibt es einen weiteren, sehr spannenden Artikel dazu:

Psychosomatik: Wie Körper, Geist und Seele sich die Bälle zuspielen

 

 

 

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