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Weinende Babys – verzweifelte Eltern oder: Warum weinen Babys oft untröstlich?

Wenn wir Eltern werden und nach der Geburt dieses kleine Wunder Mensch – unser Baby – in den Armen halten, beginnt das Abenteuer Elternschaft, welches uns reich beschenkt und uns allerdings auch an unsere Grenzen bringen kann.

Und das, nicht wenn unser Baby zufrieden ist oder gut schläft, sondern vor allem dann, wenn es uns mit seinem Weinen und Quengeln gefühlte 24 Stunden auf Trab hält.

Vor fast 25 Jahren, als unsere Tochter geboren wurde, oder zumindest 2 Jahre später, als ihr Bruder zur Welt kam, hätte ich gerne gewusst, was ich heute über das Weinen unserer Babys weiß. Daher war und bin ich sehr dankbar über das Wissen, das ich vor allem von Dr. Aletha Solter (Entwicklungspsychologin, USA) gelernt habe.

Dies durfte ich schließlich bei unserem jüngsten Sohn vor 16 Jahren auf Alltagstauglichkeit erproben und gebe es seither in meinen Vorträgen und Beratungen an andere Eltern weiter: Nämlich, dass es ein Weinen bei unseren Babys gibt, welches von uns Eltern nicht sofort gestoppt werden kann und muss.

Wie? Was? Denken jetzt vielleicht einige Eltern?
Ich kann doch mein Baby nicht weinen lassen.

BabysNein, bitte auf keinen Fall weinen oder schreien lassen und vor allem nicht alleine. Das ist eine schreckliche Erfahrung für jedes Babys (und auch für die Eltern). Dennoch möchte ich erklären, was ich damit meine, dass es ein Weinen unserer Babys gibt, welches nicht sofort gestoppt werden kann (und muss).

Wenn ein Baby weint, dann ist unsere Aufgabe als Eltern zuerst zu schauen, was sein Bedürfnis ist: hat es Hunger (oder Durst), ist es ihm zu warm, zu kalt, möchte es unsere Nähe oder eine frische Windel oder fühlt es sich in
seiner Umgebung nicht wohl, weil es z.B. zu laut ist oder zu viele (fremde) Menschen da sind. Vielleicht hat es Schmerzen oder Angst oder ist von zu vielen Reizen überflutet. Es kann auch sein, dass es müde ist und ins Bett gebracht werden möchte. Wenn wir das Bedürfnis erkennen und erfüllen, dann ist das Babys zufrieden und hört auf zu weinen. Alles ist gut!

Heute möchte ich aber auf das andere Weinen eingehen, das Weinen, das nicht aufhört, wenn wir alle oben genannten Bedürfnisse erfüllt haben. Wir haben es gestillt oder gefüttert, es hat eine frische Windel bekommen und ist auf unserem Arm – und dennoch ist es weiter am Weinen.

Dieses Weinen stresst uns Eltern sehr. Wir fragen uns immer wieder, was unserem Baby fehlen könnte, probieren das eine oder andere aus: Vielleicht ist es zu warm eingepackt oder möchte unterhalten werden usw. – es ist doch müde und findet aber einfach nicht in den Schlaf. Muss es noch ein Bäuerchen machen oder will es nochmals auf den Arm – nichts dergleichen – es weint einfach untröstlich weiter.

Und hier beginnt unser Stress als Eltern – was haben wir übersehen, wie könnten wir unser Baby endlich, endlich beruhigen? Herumlaufen, schaukeln und wiegen – im Fliegergriff oder über der Schulter – bringt kurz eine Pause beim Weinen, aber sobald das Schaukeln, Wiegen oder Laufen aufhört, fängt das Weinen wieder an. Manche Eltern sind sogar so verzweifelt, dass sie eine Runde im Auto fahren oder das Kind in der Babyschale auf die laufende Waschmaschine stellen, damit es endlich mit dem Weinen aufhört.

Was wäre, wenn dieses Weinen von uns Eltern gar nicht gestoppt werden müsste?

babys, SchreienAls ich diese Botschaft von Dr. Aletha Solter zum ersten Mal vernahm, horchte sofort etwas auf in mir! Was, wenn Babys auch das Bedürfnis zum Weinen haben, weil sie nämlich etwas erzählen wollen, wozu sie noch keine Sprache haben, sondern was sie nur mit ihrem Weinen ausdrücken können? Das leuchtete mir ein, und ich wollte noch mehr wissen…

Was ich erfuhr, erleichterte meinen Mama-Alltag – unseren Familien-Alltag – so sehr, dass ich heute immer noch dankbar bin dafür und dieses Wissen gerne weitergebe. Wir Menschen erleben immer wieder
stressende Situationen in unserem Alltag – und ein Baby erlebt eben auch Stress – und wir Erwachsenen haben verschiedene Mechanismen, um diesen Stress wieder loszuwerden.

Wir Großen tun dies u.a. über Lachen und Bewegen (z.B. Joggen oder anderer Sport) und wir können jemandem davon erzählen – z.B. unserem Partner / unserer Partnerin oder einem guten Freund / einer guten Freundin. Nachdem uns jemand einfühlsam und offen zugehört hat, geht es uns schon besser. Und genauso ist es auch mit dem Weinen bei unseren Babys.

Es ist ihre einzige Sprache (viele Jahre lang), um uns Eltern zu erzählen, was sie erlebt haben und nicht gut für sie war, z.B. ein zu langer Einkauf mit vielen (lauten) Eindrücken und unruhigen Menschen. Oder ein Arztbesuch mit einer schmerzhaften Untersuchung oder gar Impfung. Oder eine schwere lange Geburt, die in einem Kaiserschnitt mit Trennung von Mama und Papa nach der Geburt endete. Was für ein krasser Start ins Leben für Mama, Papa und Baby, was für ein Schock für alle Drei.

Wir Großen können darüber reden, und es so nach und nach verarbeiten, ein Baby kann „nur“ darüber weinen, und es so nach und nach verarbeiten… Von Aletha Solter habe ich gelernt, dass Babys das Weinen nutzen, um sich von Stress zu entlasten und wieder in ein entspanntes Sein zu kommen. Und es war und ist für mich immer wieder eindrücklich, dies bei Babys zu erleben.

Wie ich meinen Sohn begleitete

Als ich unseren jüngsten Sohn als Baby beim Weinen begleiten durfte, bemerkte ich schnell, wie er nach seinem Weinen viel entspannter war und gut einschlafen konnte. Er weinte täglich – natürlich immer nachdem alle unmittelbaren Bedürfnisse, wie Hunger, Nähe und z.B. eine frische Windel erfüllt waren.

Und selbstverständlich habe ich ihn nie alleine weinen lassen, sondern ich habe ihn bei seinem Weinen begleitet, habe ihm zugehört und ihm dabei in seine Augen geschaut, damit er sehen konnte, dass seine Mama da ist und ihn ernst nimmt. Manchmal hat er nur ein paar Minuten geweint, manchmal ging es auch 20 oder 30 Minuten (oder länger).

Babys, SchlafAber er war danach jedes Mal so entspannt und erleichtert, dass ich immer sicherer wurde, dass er dieses Weinen-dürfen braucht, um mir von seinem Stress zu erzählen und sich davon zu entlasten. Es war sehr einleuchtend, dass er nie alleine weinen musste, sondern dass sein Papa oder ich bei ihm waren.

Wir konnten deutlich sehen, wie dankbar er war, dass er uns erzählen durfte, so wie wir als Paar uns gegenseitig unseren Kummer erzählen konnten. Wir mit unserer Sprache: den Worten – er in seiner Sprache: dem Weinen!

Wenn wir nach dem Weinen ein entspanntes Kind erlebten, waren wir dankbar für dieses Wissen rund ums Stressabbauen durchs Weinen. Wir sind seither immer noch und immer wieder ermutigt, unseren Kindern die Gelegenheit dazu anzubieten, ihnen zuzuhören, wenn sie uns im oder mit dem Weinen ihren Kummer erzählen.

Es entspannt … und … es lohnt sich sehr und ist so heilsam.

Herzliche Grüße,

Deine Anke Eyrich

Über die Autorin:

Ich wurde von Dr. Aletha J. Solter (Entwicklungspsychologin, USA) 2002 zur Aware Parenting Instructor ausgebildet und einen weiteren Teil dieses bewussten Elternseins gebe ich in meinen Onlinekursen (www.gluecksknirpse.de) sehr gerne an Eltern und Fachleute weiter. Auch in meiner eigenen Praxis DIE WIEGE berate ich Familien und gebe seit Jahren Kurse und Vorträge für Eltern mit weinenden und wütenden Kindern, für Paare und für Familien.

Ich bin verheiratet und habe 3 Kinder. 1996 habe ich das Familienzentrum DIE WIEGE (www.diewiege.com) in meinem Heimatort Sulz am Neckar gegründet. Während und nach meinem Sozialpädagogik Studium haben mich vor allem Themen des Familienseins interessiert und ich habe mich weitergebildet als Aware Parenting Instructor, Geburtsvorbereiterin, Stillberaterin und Tanzpädagogin. Inzwischen liegt mein Schwerpunkt in der pränatalen Körpertherapie (ISPPM), derPaar- und Familientherapie (DGFS) und der Elternberatung. Seit vielen Jahren begleitet und nährt mich in meinem Alltag tägliche Meditation auf dem Weg des via integralis.

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