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Wie mir Journaling das Leben gerettet hat

Klingt unglaublich, aber das Schreiben (Journaling)  hat Paul Henkel das Leben gerettet. Sein Gastartikel möchte dir hier eine einfache aber sehr wirkungsvolle Art vorstellen, wie du deinen inneren Kompass findest.

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Schreiben gehört zu den am meisten unterschätzten Wegen in ein erfülltes Leben. Es ist so simpel und doch so wirkungsvoll. Während die Methode in den USA seit Jahrzehnten etabliert ist, führt sie bei uns in Deutschland noch ein Nischendasein. Zeit, das zu ändern.

Zufallsentdeckung mitten in der Depression

Vier Psychotherapeuten hatte ich verschlissen, ein paar Medikamente ausprobiert. Am Ende meines Studiums war ich von Depressionen und Panikattacken so zermürbt, dass mich die Gedanken, ob das alles überhaupt noch Sinn hatte, immer häufiger heimsuchten.

Da ich gerade an meiner Dissertation schrieb, war ich ohnehin einen Großteil meines Tages mit Schreiben beschäftigt. Meine Rettung.

Irgendwann, als mich meine inneren Stimmen und Bilder wieder mal  in einen Strudel aus Hoffnungslosigkeit und Lethargie hineinziehen wollten, kritzelte ich auf ein herumliegendes Schmierpapier: Was willst du mir eigentlich sagen? Damit begann ein innerer Dialog, der mein gesamtes Leben auf den Kopf stellte.

journaling-hilftIch will dir von keiner Wunderheilung berichten. Ich will dir die Augen öffnen für die enorme Kraft, die im Schreiben liegt, und die wir so leicht übersehen, weil Stift und Papier so unscheinbar sind. Dabei können wir oftmals mehr bewirken als  teure Coaches, Selbstfindungssummits und Retreats an exotischen Orten.

Bin ich ein Einzelfall? Nein, Journaling wirkt

Journaling oder Journal Therapy, das reflektierende Schreiben, ist in den USA seit den 1970er-Jahren fest als Methode der Persönlichkeitsentwicklung etabliert. Tristine Rainer, Ira Progoff und Christina Baldwin gehören zu den Pionieren der Entwicklung.

Ihre Ansätze variieren, sind mal strukturierter (Progoff), mal intuitiver (Rainer), arbeiten mit Impulsfragen oder kombinieren kreative Schreibübungen, sodass jeder Schreibaufgeschlossene (s)einen Zugang finden kann.

Auch die wissenschaftliche Forschung erkannte bald: Da ist Gold vergraben. 2006 gab es bereits mehr als 150 Studien allein zur Schreibübung des expressiven Schreibens. Die positiven Auswirkungen, die belegt werden konnten, reichen von psychischen bis zu körperlichen Veränderungen: Das allgemeine Wohlbefinden stieg, die Immunfunktionen verbesserten sich, Arztbesuche gingen zurück, Arbeitslose fanden schneller einen neuen Job und Asthmasymptome gingen zurück. 

Es bleibt noch viel weitere Forschungsarbeit zu tun, vor allem um die Wirkung der verschiedenen Formen des Journaling und der Schreibtherapie zu untersuchen.

Doch letztlich brauchen wir diese gar nicht. Denn was zählt, ist die Wirkung, und die kann jeder, ganz einfach für sich selbst erleben.

Wirkliche Veränderung beginnt auf Papier

Die nächsten Wochen und Monate nach meinem ersten Schreibdialog verbrachte ich viele Stunden mit Stift und Papier. Mal schreibend. Mal meditierend. Und auch mal weinend.

Und immer häufiger wagte ich einen zaghaft hoffnungsvollen Blick Richtung Zukunft. Schreiben bringt keine Instant-Lösung, aber die wirklich guten Dinge im Leben brauchen einfach Zeit.

journalingIch ließ die vielen Stimmen in mir und auf dem Papier zu Wort kommen und irgendwann ergaben sie tatsächlich eine harmonische Melodie. Sie war nicht perfekt, aber sie führte mich zu einem magischen Ort. Ich hatte mich an den Punkt innerer Gewissheit geschrieben. Und erst als ich diesen erreicht hatte, entschied ich mich, mein altes Leben loszulassen und ein neues zu beginnen.

Damit kein Missverständnis aufkommt: Schreiben allein hat meine Depression nicht geheilt. Aber es hat mir Zugang verschafft zu meiner inneren Weisheit, die ich auf andere Weise nicht erreichen konnte.  Indem ich die Zipfel von Erkenntnis und Gewissheit, die mir im Schreiben zugänglich waren, festhielt und in therapeutischen Gesprächen näher betrachtete, konnte ich Klarheit und Mut finden, Schritt für Schritt tatsächliche Veränderungen anzugehen.

Schreiben lohnt sich immer

Journaling hat ein Imageproblem. Wir verbinden es mit Deutschunterricht. Wir denken an kleine Mädchen, die über ihren Liebeskummer schreiben, dabei hat das reflektierende Schreiben eine lange Tradition und es lohnt sich immer. Es braucht auch keine großen Lebenskrisen, um vom Schreiben zu profitieren. 

Einige der erfolgreichsten Menschen haben seit vielen Jahren eine Journaling-Routine in ihr Leben integriert: Bill Gates, Warren Buffet, Oprah Winfrey – sie alle nutzen das Schreiben, um sich zu zentrieren, Klarheit zu finden und in eine Haltung von Dankbarkeit und Verbindung zu kultivieren.

Drei Tipps für deinen Start ins Journaling

Wenn du neugierig bist, was das Schreiben in deinem Leben verändern kann, probiere es einfach selbst aus und lass dich von deiner inneren Weisheit überraschen. Ein paar Tipps haben sich zum Einstieg ins Journaling bewährt. Ich habe sie selbst erhalten und möchte sie an dich weitergeben.

1: Es gibt kein richtig oder falsch

Du brauchst nicht erst Bücher zu lesen, wie denn nun reflektierendes Schreiben genau funktioniert und welche Schreibübungen die besten für deine Situation sind. Für den Anfang nutze das intuitive Schreiben.

Es ist ohnehin die Quintessenz des Ganzen. Setz dich an einen ruhigen Ort, an dem du dich wohlfühlst, nimm dir genug Zeit und lass deine Gedanken aufs Papier fließen. Journaling ist keine Wissenschaft und trotzdem oder gerade deswegen wirkt es so wunderbar. Es darf aufwühlen, verunsichern, beflügeln. Wenn du allerdings das Gefühl hast, von deinen Emotionen überwältigt zu werden, erzwinge nichts, mach eine Pause oder such dir jemanden, mit dem du über deine Erfahrungen aus dem Schreiben sprechen willst.

2: Bring statt Erwartungen Neugier mit

Gerade wenn wir vor einer Herausforderung stehen oder einen gewissen Leidensdruck mitbringen, wollen wir schnelle Besserung oder Lösungen. Unsere Erwartungen an eine neue Methode sind riesig. Damit kreieren wir einen  Druck und eine Schwere, die Lösungen eher blockiert. Gehe ans Schreiben mit Neugier. Genieß die Schreibzeit als solche, als eine Zeit nur für dich und beschwere sie nicht mit Erwartungen, dass konkrete Ergebnisse entstehen müssen.

3: Mach es zu einer Gewohnheit:

Schreiben ist keine Urlaubsbekanntschaft, sondern ein Freund fürs Leben.

Freundschaften brauchen Zeit, um Tiefe und Qualität zu erreichen. Das heißt nicht, dass du mit dem Schreiben nicht direkt zu Beginn eine großartige Zeit erleben kannst. Aber lass dich nicht entmutigen, wenn du am Anfang auf innere Widerstände und Unsicherheiten triffst, du noch etwas unbeholfen bist und fremdelst. Das ist Teil des Abenteuers.

Ich habe meine Depression befreundet, Beziehungen beendet, bin in neue Städte gezogen. Schreiben hat meine wichtigsten Lebensentscheidungen möglich gemacht. 

Heute ist meine Welt nicht immer rosarot, aber ich habe mit dem Schreiben einen Begleiter gefunden, der mich bestärkt, mich auffängt, wenn es nicht rund läuft, und mir hilft, meinen inneren Kompass nicht aus den Augen zu verlieren – und das ist ein unheimlich schönes Gefühl.

Wenn du mehr über Journaling und Schreiben für persönliches Wachstum erfahren möchtest, lade ich dich ein, auf meinem Blog Schreiben wirkt vorbeizuschauen, auf dem du regelmäßig neue Impulse und Übungen zum Journaling erhältst.

Du magst Journaling ausprobieren, weißt aber nicht, wie du beginnen sollst? In meinem kurzen E-Book “Weniger Stress im Alltag”  habe ich 5 Übungen zusammengestellt, die dir helfen, Entspannung und Gelassenheit in deinen Alltag einzuladen. Probier das Schreiben einfach aus und berichte mir gerne von deinen Erfahrungen.

Schreib dich lebendig!

Paul

Dr. Paul Henkel ist Redakteur und ausgebildeter Coach. Er bloggt auf schreibenwirkt.de über Journaling, Poesietherapie und Schreiben zur Persönlichkeitsentwicklung.

 


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