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Objekt

„Wir wollen nur dein Bestes“ – Wenn Eltern ihr Kind zum Objekt machen

Warum und wie Eltern ihre Kinder oft zum Objekt machen, obwohl sie eigentlich nur “das Beste” wollen…

„Lukas, bitte hör doch zu. Wir wollen doch nur dein Bestes. Wir sind doch deine Eltern. Und wir können doch nicht nur zuschauen, wie du dir deine Zukunft verbaust. Wir verstehen dich ja, aber in einigen Jahren wirst du uns dankbar dafür sein, dass wir so gehandelt haben.“

„Ihr versteht gar nichts! Ihr hört mir nicht einmal zu! Es ist euch völlig egal, wie es mir gerade geht! Ich bin euch scheißegal! Es geht doch nur um euch! Lasst mich einfach in Ruhe!“

Streitgespräche wie diese belasten während der Pubertät der Jugendlichen die Beziehung zwischen Eltern und Kindern am häufigsten. Dabei ist es meist völlig irrelevant, um welches Thema es sich handelt. Es spielt dabei kaum eine Rolle, ob es um Schulthemen, das Ausgehen, Freunde, Computerspiele, etc. geht.

Eine Loose-Loose-Situation

Bei dieser Art von Kommunikation zwischen Eltern und Jugendlichen bleiben Verlierer auf beiden Seiten über. Beide Seiten fühlen sich unverstanden:
Die Eltern sind oft verzweifelt, weil sie ihr Kind doch lieben, und nicht wollen, dass es Schaden erleidet oder verletzt wird. Der Jugendliche fühlt sich völlig allein gelassen und unverstanden.

Gibt es einen Ausweg aus dieser Misere? Ich behaupte JA! Wobei ich damit nicht meine, dass es keine Konflikte zwischen Eltern und Jugendlichen geben darf. Das wäre meiner Meinung nach auch eine völlig unrealistische Erwartung.

Konflikte gehören zu unserem Leben dazu. Konflikte sind nicht das Problem. Probleme entstehen erst durch einen problematischen Umgang damit. Nur wenn wir als Eltern unseren Kindern nicht zuhören, wenn wir der Meinung sind, dass WIR Recht haben, dann entstehen Sieger und Verlierer.

Den Raum für Wahrheit schaffen

Wenn es Eltern auf einen Machtkampf mit ihren Jugendlichen ankommen lassen, dann kann viel Schaden entstehen. Denn wenn sich Jugendliche grundsätzlich missverstanden fühlen, dann finden manche von ihnen einen Ausweg, indem sie beginnen zu lügen, Dinge zu verheimlichen, etc. um ihre Integrität zu bewahren. Das heisst, sie nehmen das Risiko in Kauf, ihre Eltern zu enttäuschen, indem sie die Dinge tun, die sie als für sich richtig erachten. Dabei haben sie meist ein schlechtes Gewissen und fühlen sich schuldig.

„Kinder lügen, wenn sie glauben, meinen oder beobachten, in meiner Familie gibt es keinen Raum für die Wahrheit.“ (Jesper Juul)

Andere Jugendliche, die vielleicht zu große Angst haben, die Liebe ihrer Eltern zu verlieren, werden mit ihnen kooperieren, das tun, was von ihnen erwartet wird, dabei aber ihre eigene Integrität verletzen und nicht auf sich und ihr Gefühl hören.

Die Gefahr, die daraus entsteht, ist, dass sie auch im späteren Leben Dinge tun werden, die andere von ihnen erwarten, weil sie nicht gelernt haben, ihre eigenen Bedürfnisse zu erfüllen.

Eltern als Sparringspartner

ObjektAber sollen Eltern nun den Jugendlichen ALLES erlauben, um diesen Konflikten zu entgehen? NEIN, auf gar keinen Fall. Jugendliche brauchen Eltern, die für ihre eigenen Werte eintreten; sie brauchen Eltern, an denen sie sich orientieren können.

Sie brauchen Sparringspartner, die (wie im Boxen) größtmöglichen Widerstand leisten und möglichst geringen Schaden anrichten. Dabei ist der Grad ein oft sehr schmaler.

Denn wie können Eltern wissen, wann sie nun „konsequent bleiben“ müssen und wo sie nachgeben sollen bzw. dürfen? Ein Patentrezept gibt es darauf nicht. Denn Eltern sind genauso einzigartig wie ihre Kinder. Die Lösung heißt für mich BEZIEHUNG. Denn wenn ich mit meinem Kind in Beziehung bin, dann nehme ich seine Bedürfnisse ernst, ich interessiere mich für seine Gefühle, seine Meinung, seine Interessen. Ich höre zu, ich frage nach; ich erkläre aber auch meinen Standpunkt, meine Gefühle, meine Verantwortung.

Das Kind als Subjekt und nicht als Objekt sehen

Dabei ist es aber wichtig zu unterscheiden, ob es wirklich MEINE persönliche Meinung ist, oder ob ich glaube, diese Entscheidung treffen zu müssen, weil MAN das tut, weil es sich so GEHÖRT. Und da beginnt die wirkliche Herausforderung für Eltern. Denn Jugendliche brauchen Mütter und Väter, die sich selbst, ihre Gefühle, ihre Werte, ihre eigenen Schwächen gut kennen und dafür auch die Verantwortung übernehmen.

Jugendliche fordern uns heraus. Ein NEIN ohne wirklich schlüssige Begründung akzeptieren sie selten. Sie suchen die Menschen hinter den Eltern. An „TUT MAN“ und „GEHÖRT SICH NICHT“ sind sie nicht interessiert. D.h. Eltern und ihre Werte werden permanent auf die Probe gestellt. Und das ist für die Erwachsenen eine große Herausforderung und gleichzeitig eine noch größere Chance. Ohne den Standardsatz „SAGT WER??“ meiner Tochter säße ich nicht an diesem Computer, wäre ich nicht die, die ich heute bin.

Sie hat mich dazu „eingeladen“, mich mit ihr gemeinsam auf das Abenteuer des Wachsens einzulassen. Viele meiner Glaubenssätze und Werte, die ich damals als meine und in Stein gemeißelt empfunden habe, durfte/musste ich loslassen. Einer davon war, dass ich mir sicher war, als Mutter genau zu wissen, wer mein Kind ist, was es braucht und was für es das Beste ist. Ich habe damals nicht begriffen, dass ich damit mein Kind zum Objekt meiner Wünsche gemacht habe. Denn NIEMAND kann wissen, was das Beste für einen anderen ist. Auch nicht Eltern für ihre Kinder.

Hilfe zur Selbsthilfe

Es ist meiner Meinung nach auch nicht die Aufgabe von Eltern zu WISSEN, was gut für ihre Kinder ist. Es ist die Aufgabe der Eltern, ihre Kinder so zu begleiten, dass diese selbst herausfinden können, was sie brauchen und was gut für sie ist. Es braucht Eltern, die es auch aushalten, dass ihr Kind Fehlentscheidungen getroffen hat, oder Entscheidungen trifft, die sie selbst so nicht getroffen hätten. Dazu braucht es ein Umdenken der Eltern, einen Perspektivenwechsel, eine Haltungsänderung.

Wenn wir unseren Kindern ständig sagen, was sie unserer Meinung nach zu tun haben, welche Entscheidungen sie zu treffen haben, dann werden sie viel Energie darauf verwenden, um uns zu beweisen, dass SIE Recht haben und WIR falsch liegen.

Wenn wir beispielsweise der Meinung sind, dass die Freunde oder Freundinnen unseres Kindes ihm nicht guttun, dann wird es wahrscheinlich permanent nach Beweisen suchen, sich selbst und auch uns (wenn wir noch gut in Beziehung sind) zu zeigen, dass das nicht stimmt, dass WIR uns irren. Das bindet sehr viel Energie, die der/dem Jugendlichen womöglich die Chance nimmt, herauszufinden, ob diese Freundschaften für sie/ihn wirklich fördernd, stärkend und positiv sind.

Wir können unsere Kinder spätestens ab der Pubertät nicht mehr vor allem beschützen und allen Schmerz von ihnen fernhalten. Aber wir können unseren Kindern vertrauen, dass sie IHREN Weg gehen werden, um glückliche und psychische gesunde Erwachsene zu werden.

Wir Eltern müssen uns dabei „nur“ entscheiden, was WIR wollen: wollen wir in Beziehung zu unserem Kind sein, es auf seinem Weg des Erwachsen Werdens begleiten, für es da sein, wenn es traurig ist, … oder wollen wir Recht haben, um ihnen jedes Mal, wenn sie einen Fehler gemacht haben, zu sagen:
„Wir haben es dir ja gesagt!!!“

Ich bin dankbar über eure Kommentare und Fragen.

 

Alles Liebe
Ines

inesberger.at 

 


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