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Warum schreien Menschen, wenn sie wütend sind? ?

Wenn du wütend bist, kann es sein, dass nur deine Bedürfnisse unüberhörbar laut werden.

Passend zur Vorweihnachtszeit bin ich bei den Vorbereitungen zu einem Seminar über Wertschätzung und Gewaltfreie Kommunikation auf folgende Geschichte gestossen, die Mahatma Gandhi zugeschrieben wird. Sie handelt davon, wie sich unerfüllte Bedürfnisse lauthals Gehör verschaffen.

Eines Tages fragte ein indischer Weiser: „Warum schreien die Menschen so, wenn sie wütend sind?“

„Sie schreien, weil sie die Ruhe verlieren“, antwortete ein Schüler.

„Doch warum schreien sie, wenn die andere Person neben ihnen steht?“, fragte der Weise erneut.

„Wir schreien, weil wir wollen, dass die andere Person uns zuhört“, erwiderte ein anderer Schüler.

Und der Meister fragte weiter: „Ist es dann nicht möglich, mit leiser Stimme zu sprechen?“

Weitere Antworten folgten, doch keine konnte den Weisen überzeugen.

Da rief er aus: „Wollt ihr wissen, weshalb man eine andere Person anschreit, wenn man wütend ist? 

wuetend-herzenEs ist so, dass sich bei einem Streit die Herzen zweier Menschen weit voneinander entfernen. Um diese Distanz zu überwinden, muss man schreien. Je wütender die Menschen sind, desto lauter müssen sie schreien, um einander zu hören.

Ganz anders ist es zwischen zwei Menschen, die sich lieben. Sie schreien nicht, sie reden sanft miteinander. Weshalb wohl? Weil ihre Herzen einander sehr nahe sind. Die Distanz zwischen ihnen ist klein. Manchmal sind sich die Herzen so nahe, dass sie nicht einmal sprechen, sondern nur flüstern.

Und wenn die Liebe noch stärker ist, braucht es nicht einmal mehr ein Flüstern. Es genügt, sich anzusehen und die Herzen hören einander. Denn wenn zwei Menschen sich lieben, sind sie einander sehr nahe.“

Und abschließend meinte der Weise:

„Darum lasst es nicht zu, dass eure Herzen sich bei einer Diskussion voneinander entfernen. Sagt keine Worte, die die Herzen auseinander treiben, denn der Tag wird kommen, an dem die Distanz so groß ist, dass es keinen Weg mehr zurück geben wird.“

Was für eine neue Vorstellung: beim nächsten Streit, wenn die Stimmen lauter werden, kurz inne zu halten und sich bewusst zu machen, dass hier zwei Herzen nacheinander rufen!

Das ist sehr nah an der Grundannahme der Gewaltfreien Kommunikation, die davon ausgeht, dass hinter jedem aggressiven Verhalten (also auch lautem Schreien oder scharfem Tonfall im Streit) ein unerfülltes Bedürfnis steht!

Zum Beispiel das Bedürfnis, gehört zu werden, sich zugehörig zu fühlen, respektvoll behandelt zu werden und Wertschätzung zu erfahren.

Viele unserer Bedürfnisse entsprechen gleichzeitig auch Werten, die uns im Zusammenleben mit anderen wichtig sind.

wuetend-streitenBleiben diese Bedürfnisse längere Zeit unerfüllt, oder werden diese Werte häufiger verletzt – von uns selbst oder anderen, bewusst oder unbewusst – dann wird irgendwann Protest laut. Zum Beispiel in Form von Streit. 

Marshall B. Rosenberg, der Begründer der Gewaltfreien Kommunikation, sieht Ärger in diesem Zusammenhang als einen Wecker der dazu aufruft, die darunter liegenden unerfüllten Bedürfnisse zu erforschen und sich ihnen zuzuwenden.

Das passt hervorragend zu Weihnachten, dem Fest der Liebe – und der hohen Ansprüche: werden doch gerade dann in vielen Familien besonders große Erwartungen an das friedvolle Zusammensein und den liebevollen Umgang miteinander gestellt. Und werden sie doch gerade dann – oder gerade deshalb –  bisweilen herb enttäuscht.

Da könnte es doch hilfreich sein, sich das Bild der sich gegenseitig rufenden Herzen vor Augen zu führen und von dieser Warte aus das Geschehen neu zu betrachten.

Welche Fragen könnten wir uns und unserem Gegenüber dann stellen?

  • Was genau ist eigentlich gerade passiert?

z.B: Du bist mir gerade zum dritten Mal ins Wort gefallen.

(Konkrete Fakten benennen statt zu bewerten: „du bist rücksichtslos, unsensibel, unhöflich, egoistisch“ etc.)

  • Welches Gefühl löst das in mir aus?

Ich bin deshalb genervt, wütend, frustriert, etc.

  • Welches unerfüllte Bedürfnis könnte dahinter stecken?

Ich möchte dir etwas wichtiges von mir erzählen, damit du mich richtig verstehst. Gegenseitiges Zuhören und Ausredenlassen ist für mich ein Zeichen von Respekt.

  • Was brauche ich jetzt von mir oder dir, damit dieses Bedürfnis erfüllt werden kann?Welche konkrete Bitte, welchen konkreten Wunsch kann ich jetzt äußern? Bist du bereit, mir das zu erfüllen? 

Kannst du mir bitte die nächsten 5 Minuten einfach nur zuhören, dann bist du dran, und ich höre dir ohne Unterbrechung zu. Einverstanden?

Selbst wenn unser Gegenüber der Bitte vorerst nicht nachkommen möchte, so kann allein die Tatsache, dass des Pudels Kern (das vernachlässigte Bedürfnis) wieder in den Blickpunkt gerückt ist und nicht länger wild um den heißen Brei herum gestritten wird, für eine erste Entspannung sorgen.

wütend-friedenZu wissen, worum es uns eigentlich geht, ist ein guter Anfang! Erst dann ist es möglich, sich gegebenenfalls um eine Alternative zur Erfüllung des Bedürfnisses zu kümmern, statt es weiter zu ignorieren und unser Gegenüber zu bekämpfen. In unserem Beispiel könnte das bedeuten, einen anderen Zeitpunkt für ein ungestörtes, aufmerksames Gespräch zu vereinbaren, an dem beide zum Zuhören bereit sind.

In den meisten Fällen teilen wir sogar ähnliche Bedürfnisse und haben uns lediglich auf entgegengesetzte Wege gemacht, sie zu erfüllen. Dabei sind wir dann soweit auseinander gedriftet, dass wir manchmal laut rufen, um wieder zueinander zu finden.

Vielleicht hilft dann genau das Gegenteil: für einen Moment still werden und sich einfach nur bewusst in die Augen schauen, damit die Herzen einander wieder hören können.

In diesem Sinne eine erfüllte, herzensnahe und friedlich-stille Weihnachtszeit!

Herzliche Grüße

Katja Lutz-Deklerk

Was ist gerade dein größtes Bedürfnis, das nach Aufmerksamkeit ruft?

Hast du eine Idee wie du es dir erfüllen kannst?

+++

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