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Kollegiale Beratungen: Gemeinsam Lösungen finden statt einsam grübeln

Neuer Trend: Kollegiale Beratungen. Sich gegenseitig ermächtigen und unterstützen, anstatt immer alles alleine zu wuppen. Die fünf Phasen, wie du mit anderen gemeinsam gute Lösungen findest.

In meinem früheren Beruf als angestellte Führungskraft dachte ich anfangs, es sei meine Aufgabe auf alle Fragen selbst die Antwort und für jedes Problem alleine eine Lösung finden zu müssen. 

An vielen Stellen dachte ich, andere zu fragen sei ein Zeichen von Schwäche…

Welchen Druck ich mir dadurch machte! 

Heute begleite ich Coaching-Klient*innen, die ebenfalls darunter leiden, vor allem in dieser schnelllebigen, hochkomplexen Zeit: Entscheidungen sollen am besten sofort getroffen und Probleme umgehend gelöst werden. Veränderungsprozesse sind zum Dauerzustand geworden und fordern tagtäglich ein hohes Maß an flexiblen Verhaltensweisen in unvorhergesehen Situationen.

Sich diesen Anforderungen im Alleingang stellen zu wollen, wird auf Dauer auslaugen. Und wenn der Stresspegel erst einmal steigt, verengt sich der Horizont. Keine gute Voraussetzung für kreative Lösungen und innovatives Verhalten. 

loesungenWie erleichtert war ich damals, als ich Kolleg*innen gefunden hatte, denen es ähnlich ging. Wir fanden uns zusammen und tauschten uns regelmäßig zu aktuellen beruflichen Fragen und Handlungsoptionen aus – noch ohne zu wissen, dass es dafür einen Namen gibt: Kollegiale Beratung oder Intervision. 

Auch heute als Selbständige schätze ich diese Form der persönlichen und fachlichen Selbstreflexion und des gegenseitigen Austauschs zur Kompetenzerweiterung sehr. Wie schnell Festgefahrenes dadurch wieder in Bewegung kommen kann!

Was genau versteht man unter Kollegialer Beratung?

Kollegiale Beratung ist ein systematisches Beratungsgespräch auf Augenhöhe mit einem einfachen und strukturierten Ablauf, um gemeinsam Lösungen für konkrete berufliche Fragen und Problemstellungen zu finden. Teilnehmende können Kolleg*innen aus demselben Unternehmen sein, ebenso gut aber auch Menschen aus verschiedenen Bereichen, die mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert sind. 

Idealerweise finden sich 5 bis maximal 10 Freiwillige zusammen, die sich zu Offenheit, Respekt und Vertraulichkeit verpflichten und daran interessiert sind, von- und miteinander zu lernen. Je unterschiedlicher sie vom Typ her sind, umso vielfältiger werden die Sichtweisen und Lösungsansätze. 

Jeweils eine Person bringt einen Praxisfall ein, wie z. B. „Aus meinem Team habe ich gehört, dass sich mehrere Kunden über einen meiner Mitarbeitenden beschweren. Wie könnte ich das bei der betreffenden Person ansprechen, obwohl ich es nur über Dritte weiß?“

kollegiale beratungen

An der Fragestellung merkt man bereits, dass es nicht darum geht, sich über Probleme oder andere Menschen auszulassen. Das Problem findet nur zu Beginn Beachtung, bis alle die Herausforderung verstanden haben und darauf basierend eine zielführende Beratung ansetzen können.

Im Fokus stehen Lösungs- und Handlungsansätze nicht Problemvertiefung – frei nach dem Motto von Steve de Shazer, dem Mitbegründer der lösungsorientierten Kurzzeittherapie:

„Problem talk creates problems. Solution Talk creates solutions.“ 

Wie funktioniert Kollegiale Beratung?

Der Ablauf gliedert sich in 6 Phasen und dauert je nach Fragestellung ca. 30-45 Minuten, damit fokussiertes Arbeiten garantiert ist.

Phase 1: Auswahl von Fallerzähler*in, Moderator*in, Protokollant*in (max. 5 Min.)

Die Gruppe einigt sich darauf, wer zuerst sein Anliegen bzw. seinen „Fall“ einbringt.

Eine der teilnehmenden Personen übernimmt die Aufgabe als Moderator*in und Hüter*in des Ablaufs, der Spielregeln sowie der Zeit. Eine andere Person stellt sich als Protokollant*in zur Verfügung und hält alle gesammelten Lösungsideen fest.

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Phase 2: Schilderung des „Falls“ bzw. des Problems (ca. 5 Min.)

Hier liegt die Kunst darin, mit Unterstützung der Moderation so kurz und prägnant wie möglich und so umfassend wie nötig die Sachlage zu schildern, damit die Berater*innen das Problem in all seinen Facetten verstehen können.

Die Herausforderung in dieser Phase ist, noch keinerlei vorschnellen Lösungen oder Ratschläge anzubieten. Die Berater*innen hören nur zu.

Phase 3: Vertiefungsfragen durch die Berater*innnen zum besseren Verständnis (max. 5-10 Min.)

kollegiale-beraungen-zusammenDie Berater*innen können nun notwendige Verständnisfragen stellen, um nicht am Thema vorbei zu beraten. An dieser Stelle kann es verführerisch sein, allzu neugierig zu werden im Sinne von „Und was ist noch alles passiert?“. Es braucht eine wache Moderation, um diese Phase zielfokussiert zu lenken.

Phase 4: Formulierung einer konkreten Frage an die Berater*innen, für die sie im Folgenden Lösungsansätze anbieten (5 Min.)

Die konkrete Frage ist richtungsweisend und qualitätsentscheidend für die folgende Lösungssammlung. Die Frage „Wie kann ich gegenüber der vielen Forderungen von meinem Chef innerlich ruhig bleiben?“ geht in eine andere Richtung als beispielsweise zu fragen „Wie formuliere ich meinem Chef gegenüber ein konstruktives Nein?“.

Aufgabe der Moderation ist es, dem/der Fallgeber*in zu helfen, das eigene Anliegen zu konkretisieren und den Arbeitsauftrag an die Berater*innen eindeutig zu formulieren.

Phase 5: Sammeln der Lösungsansätze und Ideen durch das Beratungsteam z. B. in Form eines klassischen Brainstormings (15-20 Min.)

Ziel ist es, möglichst viele unterschiedliche Lösungsideen und Handlungsansätze à la „In dieser Situation würde ich so vorgehen…“ zu generieren.

Goldene Regeln an dieser Stelle sind: 

  • Es gibt nicht die eine beste Lösung. Die Berater*innen machen lediglich Angebote und bereiten ein möglichst abwechslungsreiches Ideen-Buffet zu. 
  • Eigene Geschichten, die Anwesende bereits erlebt haben, verschwenden nur wertvolle Zeit und werden von der Moderation ausgebremst: Im Mittelpunkt steht das eingebrachte Thema und nicht die Persönlichkeit der Berater*innen.
  • Sämtliche Ideen sind willkommen und werden nicht kommentiert – auch der/die Fallgeber*in, hört nur zu und wird durch den/die Protokollant*in entlastet, indem alle Vorschläge notiert werden.

Phase 6: Abschluss (ca. 5 Min.)

Erst jetzt bedankt sich der/die Fallgeber*in und äußert sich zu den Ideen. Dabei konzentriert er/sie sich vor allem auf diejenigen, die ihm für seine Situation spontan am wertvollsten kollegiale-BEratungen-Loesungerscheinen. Zu rechtfertigen, warum bestimmte Vorschläge nicht funktionieren, ist weniger interessant. 

Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele Ansätze in kurzer Zeit entstehen können und in welchem Maße alle Teilnehmenden davon profitieren.

Lust auf´s Ausprobieren bekommen? Dann nur zu! Viele Menschen mögen es sehr, um ihre Meinung, Einschätzung und nach ihrer Erfahrung gefragt zu werden.

Einen wertvollen Beitrag zu leisten, ist für sie ein zentrales Bedürfnis. Vielleicht nimmt dies die Scheu, sie zu fragen?

Herzlich, Katja Lutz-Deklerk

Coaching und Training für achtsame (Selbst-)Führung

Kontakt: katja@lutz-deklerk.de

Kleine Achtsamkeitsfragen für dich:

  • Zu welchem Thema hättest du gerne inspirierende Anregungen von anderen?
  • Wen hättest du am liebsten in deiner Beratungsrunde dabei?
  • Bist du im Gegenzug bereit, den anderen deine Zeit und deine Erfahrung zur Verfügung zu stellen, um von- und miteinander zu lernen?

++++

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